Donald Trump, der Präsident des Friedens? Daraus wird nichts

Sechs Monate nach seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus zerbröselt Donald Trumps selbst verordnetes Image als „Präsident des Friedens“ zunehmend: Während er stolz behauptet, zahlreiche Kriege verhindert und sich den Friedensnobelpreis verdient zu haben, bleibt sein Einfluss auf zwei der weltweit verheerendsten Konflikte – in der Ukraine und im Gazastreifen – bislang sehr begrenzt.

Tatsächlich kann Trump einige diplomatische Erfolge vorweisen: So soll er laut dem Weißen Haus durch wirtschaftlichen Druck eine Eskalation zwischen Thailand und Kambodscha verhindert und mit intensiver Telefon-Diplomatie eine militärische Auseinandersetzung zwischen den Atommächten Indien und Pakistan abgewendet haben.

„Wenn ich nicht Präsident wäre, gäbe es sechs große Kriege – Indien würde mit Pakistan kämpfen“, erklärte Trump jüngst auf einer Reise nach Schottland. Dennoch: Der Versuch, die Kämpfe in der Ukraine oder in Gaza zu beenden, stellt ihn vor die bislang größten außenpolitischen Herausforderungen seiner zweiten Amtszeit, berichtet das Wall Street Journal in einer aktuellen Analyse.

Drohungen gegen Putin

Seit Monaten bemüht sich Trump, den Krieg in der Ukraine zu beenden – bislang ohne sichtbaren Erfolg. Er hatte im Wahlkampf versprochen, den seit 2014 andauernden Konflikt schnell zu lösen. Nach der vollständigen Invasion durch Russland vor drei Jahren verschärfte sich die Lage erneut. Trump erhöhte zuletzt den Druck auf Moskau und warnte Präsident Putin, die Kämpfe müssten bis zum 8. August eingestellt sein – andernfalls drohten neue, harte Sanktionen gegen Russlands Handelspartner.

„Ich finde es ekelhaft, was Russland da tut“, sagte Trump mit Blick auf die jüngsten Angriffe mit Raketen und Drohnen. Dennoch räumte er ein, dass seine wirtschaftlichen Maßnahmen womöglich „keine Wirkung zeigen“. Kürzlich schickte der US-Präsident dann zwei Atom-U-Boote mit Nuklear-Raketen Richtung russische Küstengewässer. Auch das beeindruckte Wladimir Putin kaum - er antwortete mit der Ankündigung, an der Nato-Grenze in Weißrussland modernste Hyperschall-Raketen zu stationieren.

Kein Durchbruch in Gaza

Auch im Nahen Osten blieben Trumps Vermittlungsversuche bislang ohne nachhaltigen Erfolg. Sein Sondergesandter Steve Witkoff, der zugleich auch für das Gaza-Dossier zuständig ist, soll nach einem Besuch in Israel den humanitären Notstand im Gazastreifen persönlich in Augenschein nehmen. Trump sprach zuletzt von „echtem Hunger“ in Gaza. UN-nahe Organisationen sprechen sogar von einer Hungersnot, was Israel bestreitet.

Trumps Idee, Gazas Bevölkerung in Drittstaaten umzusiedeln, stößt bei arabischen Ländern ebenso auf Ablehnung wie bei den zwei Millionen Menschen in Gaza selbst. Ein Konzept für eine politische Ordnung nach einem möglichen Sturz der Hamas gibt es aus dem Weißen Haus bislang nicht.

Iran, Sudan und Zentralafrika: Diplomatie mit Druck

Trump hatte während seiner Kampagne versprochen, einen „historischen“ Deal zum iranischen Atomprogramm zu erreichen. Doch nach zwei Monaten Gesprächsbereitschaft setzte er auf Luftangriffe und schloss sich der israelischen Militärstrategie an. Verhandlungen bleiben theoretisch möglich – doch Teheran lehnt Trumps zentrale Forderung, auf Urananreicherung zu verzichten, kategorisch ab.

Etwas erfolgreicher scheint seine Administration bei Friedensverhandlungen zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo sowie bei einer neuen Vermittlungsinitiative im Bürgerkrieg im Sudan. Diese Kriege waren unter seinem Vorgänger Biden festgefahren.

Trumps diplomatischer Stil, so Experten, basiert weniger auf langfristigem Engagement als auf persönlichen Beziehungen, ökonomischem Druck und direkter Drohung. „Waffenstillstände sind kein Frieden“, sagt Dennis Ross, früherer Nahost-Diplomat unter republikanischen und demokratischen Präsidenten. „Letzterer verlangt tiefgreifende Verhandlungen, die die Wurzeln des Konflikts adressieren.“

Nobelpreis-Ambitionen

Ein Teil der Motivation scheint auch Trumps Wunsch nach internationaler Anerkennung zu sein. Immer wieder beklagt er sich darüber, nicht wie sein Vorgänger Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden zu sein. „Wenn ich Obama hieße, hätte ich den Nobelpreis in zehn Sekunden bekommen“, klagte er im Oktober.

Pakistan schlug Trump jüngst tatsächlich für den Preis vor – als Dank für die Vermittlung eines Waffenstillstands mit Indien. In Neu-Delhi hingegen bestreitet man seine zentrale Rolle dabei.

Seine Unterstützer verweisen auf Trumps jüngste Handelsabkommen mit Pakistan, Thailand und Kambodscha als Beweise für seine „strategische Voraussicht“. Doch ob sein Ansatz – „Frieden durch Zwang“ – dauerhaft tragfähig ist, bleibt zweifelhaft. Denn weder in der Ukraine noch im Nahen Osten zeichnet sich bislang ein belastbarer Frieden ab. Vieles wirkt aktionistisch, manche Initiativen bleiben bloß symbolisch.

Der selbst ernannte „Friedenspräsident“ steht damit vor einem Dilemma: Sein diplomatischer Kurs bringt zwar Bewegung in die Verhandlungen, aber noch keinen Frieden.