Hunderttausende Tonnen CO2: 45.000 Delegierte jetten zu Weltklimagipfel in Belém

Wenn im November 45.000 Delegierte aus aller Welt zur 30. UN-Klimakonferenz (COP30) nach Belém im brasilianischen Amazonasgebiet reisen, steht auch die Glaubwürdigkeit der Weltgemeinschaft auf dem Spiel - es muss zu einer entscheidenden Erklärung kommen. Kritisiert wird die extrem hohe Umweltbelastung durch die Anreise der Teilnehmer.

Mitten in einer der ärmsten Regionen Brasiliens sollen hier in brütender Tropenhitze die großen Zukunftsfragen der Menschheit verhandelt werden: Wie gelingt der Schutz der Regenwälder? Wie kann die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden? Wer zahlt die Billionen, die dafür nötig sind?

Der Gastgeber Brasilien hat ambitionierte Pläne: Mit der „Tropical Forest Forever Facility“ sollen 125 Milliarden Dollar mobilisiert werden, um den Regenwald dauerhaft zu schützen. Doch hinter den Kulissen wird klar: Es geht um viel mehr als schöne Worte. Die Verhandlungen über die Klimafinanzierung für Entwicklungsländer werden zur Zerreißprobe. Viele Staaten fordern, dass Industrieländer jährlich mindestens 1,3 Billionen Dollar für den Klimaschutz zur Verfügung stellen – eine Summe, die zahlreiche Regierungen so nicht mitstemmen wollen.

Auch die Organisation der Konferenz wird zur Herausforderung. Die Hafenstadt Belém bietet offiziell nur 18.000 Hotelbetten – viel zu wenig für die erwarteten Gäste. Die Folge: Preise explodierten auf teils 700 US-Dollar pro Nacht. Unter Druck versprach die brasilianische Regierung Notunterkünfte, Schiffe als schwimmende Hotels und zusätzliche Betten. Dennoch drohen Delegierte aus ärmeren Ländern außen vor zu bleiben.

Österreich und Deutschland bereiten sich auf die Teilnahme mit großen Delegationen vor, offiziell sind noch keine Namen bestätigt. Klar ist aber: Beide Länder wollen sich beim Thema Regenwaldschutz und Klimafinanzierung stark einbringen.

Ein weiterer Widerspruch bleibt bestehen: Der Klimagipfel selbst verursacht durch die Anreise per Flugzeug voraussichtlich mehrere hunderttausend Tonnen CO₂. Die Symbolik, die Konferenz mitten im bedrohten Amazonas zu veranstalten, könnte dadurch schnell zum Bumerang werden.

Doch der Gastgeber zeigt sich kämpferisch. Für Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva soll COP30 „ein Wendepunkt für die Weltgemeinschaft“ werden. Die Augen der Welt richten sich nun auf Belém – wo sich entscheidet, ob Klimaschutz weiterhin nur ein Schlagwort bleibt oder endlich Taten folgen.

Belem - hier findet der Weltklimagipfel statt