Gold im Höhenflug: Zentralbanken treiben den Preis – China mutmaßlich größter Käufer

Das World Gold Council (WGC) rechnet in seiner aktuellen Prognose für die zweite Jahreshälfte weiterhin mit steigenden Preisen, auch wenn die Dynamik etwas nachlassen könnte.

Aktuell kostet eine Feinunze Gold, rund 31,1 Gramm, bereits über 3300 Dollar – fast doppelt so viel wie noch 2022. Der dramatische Anstieg hat inzwischen auch Auswirkungen auf die weltweite Schmucknachfrage. Viele Hersteller kaufen angesichts der hohen Preise deutlich weniger ein. Allein im zweiten Quartal 2025 sank die Schmucknachfrage weltweit von 435 auf 356 Tonnen.

Der wichtigste Preistreiber bleibt jedoch die starke Nachfrage der Zentralbanken, allen voran China. Das Reich der Mitte baut seit Jahren systematisch seine Goldreserven aus, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Laut WGC haben sich Chinas offizielle Goldbestände seit dem Jahr 2000 von 395 Tonnen auf 2.292 Tonnen fast versechsfacht. Experten gehen jedoch davon aus, dass Peking auf inoffiziellen Wegen weitaus mehr Gold eingelagert hat. „China hat über Zweitmärkte vermutlich mindestens weitere 500 Tonnen zugekauft“, schätzt Michael Eubel, Edelmetallexperte der BayernLB.

Doch China ist nicht allein. Auch Staaten wie Indien, Katar oder die Vereinigten Arabischen Emirate setzen verstärkt auf physisches Gold. Besonders aktiv ist derzeit Polen, das laut WGC in diesem Jahr bereits über 48 Tonnen Gold erworben hat – mehr als jedes andere Land.

In Deutschland profitieren vor allem Goldbesitzer: Der Wert der deutschen Goldreserven stieg durch den Preisanstieg im vergangenen Jahr um rund 69 Milliarden Euro auf 270 Milliarden Euro. Der Großteil des deutschen Staatsgoldes lagert jedoch weiterhin im Ausland – über 1200 Tonnen in den Tresoren der Federal Reserve Bank in New York und weitere 405 Tonnen in London.

Für Schmuckkäufer hingegen wird Gold zunehmend zur teuren Angelegenheit. Juweliere weltweit berichten von gestiegenen Preisen, auch wenn die Preiserhöhungen bislang nicht eins zu eins an die Kunden weitergegeben wurden. Besonders in Indien, wo mit dem Beginn der Hochzeitssaison traditionell große Mengen Gold verschenkt werden, könnte die Nachfrage im Herbst wieder anziehen – auch wenn Experten bezweifeln, dass dies den globalen Goldpreis spürbar weiter antreiben wird.