AMS-Chef Kopf: In Wien leben zu viele Menschen
Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter – und Wien steht im Zentrum der Krise. In der „ZiB 2“ war am Montagabend AMS-Vorstand Johannes Kopf zu Gast bei Armin Wolf und nahm Stellung zur angespannten Lage.
Besonders auffällig: Die Arbeitslosenquote in der Bundeshauptstadt ist laut Kopf rund dreimal so hoch wie in Tirol. Die Ursache dafür sieht er in einem strukturellen Problem: Wien sei eine ungeheuer wachsende Stadt mit zu vielen Menschen. Es fehlten die Arbeitsplätze. Insbesondere die industrielle Basis sei über Jahrzehnte geschrumpft, wodurch viele Jobs für weniger Qualifizierte weggebrochen seien.
Eben diese Gruppe bereitet dem AMS-Chef besondere Sorgen. Die Arbeitslosigkeit bei Personen mit Pflichtschulabschluss sei deutlich höher als im Durchschnitt. Gleichzeitig steige auch der Druck in der Industrie: Im Automobilbereich habe sich die Arbeitslosigkeit binnen eines Jahres um 50 Prozent erhöht. Ursache seien unter anderem neue Strafzölle der USA, die Österreich über die deutsche Zuliefererkette mit voller Wucht treffen würden.
Wer weniger arbeiten will, soll das dürfen
Auch bei Frauen stiegen die Arbeitslosenzahlen überdurchschnittlich – laut Kopf wegen der Anhebung des Pensionsantrittsalters und mangelhafter Kinderbetreuung. Letzteres sei ein zentrales Problem: Wer Frauen zur Vollzeit ermutigen wolle, müsse flächendeckende und ganztägige Betreuungsangebote schaffen. „Es ist antiquiert, unsinnig – und gehört geändert“, sagte Kopf zur derzeitigen Ferienbetreuung.
In der von der ÖVP angestoßenen Debatte über Teilzeit zeigte sich Kopf betont liberal. Wer weniger arbeiten wolle, um mehr Zeit für Familie, Kunst oder Lesen zu haben, solle das dürfen. Gleichzeitig räumte er ein, dass Österreich bei Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zurückfalle – auch wegen der verbreiteten Teilzeit. Ein besseres Steuersystem könne helfen, gezielter Anreize zu setzen. „Wir brauchen eine gescheite Arbeitszeiterfassung“, so Kopf.