Ukraine: Amnestiegesetz bringt 29.000 Deserteure zurück zur Armee
Die Ukraine verzeichnet erste Erfolge mit ihrem neuen Amnestiegesetz für Deserteure. Seit Inkrafttreten der Regelung am 29. November 2024 sind nach Angaben des Staatlichen Ermittlungsbüros mehr als 29.000 Soldaten freiwillig in den Militärdienst zurückgekehrt, nachdem sie ihre Einheiten zuvor unerlaubt verlassen hatten. Das Gesetz gewährt Straffreiheit für Ersttäter, die sich eigenständig zurückmelden.
Trotz dieses Rückgewinns bleibt Fahnenflucht in der ukrainischen Armee ein gravierendes Problem. Allein im gleichen Zeitraum wurden über 122.000 neue Fälle von Desertion registriert. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges zählte die Staatsanwaltschaft insgesamt 224.000 Fälle von unerlaubtem Entfernen vom Dienst – die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj gab an, dass die Armee monatlich bis zu 30.000 neue Soldaten rekrutiere. Schätzungen zufolge verlieren die Streitkräfte jedoch durch Tod, Verwundung, Gefangennahme und Desertion annähernd genauso viele Kämpfer.
Gleichzeitig wächst der Widerstand gegen Zwangsrekrutierungen. In mehreren Regionen kam es zuletzt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Zivilisten und Militärs. In Mykolajiw schlugen Dorfbewohner Rekrutierungsteams mit Knüppeln in die Flucht, in Winnyzja verhinderten Einsatzkräfte die Befreiung mobilisierter Männer aus einem Fußballstadion.