Mit einer Million Euro: EU bezahlt Projekt gegen Hassrede im Südsudan
Das Programm „Defy Hate Now“, initiiert von der Berliner NGO r0g_agency for open culture and critical transformation, soll die "digitale Friedensarbeit" stärken – obwohl in diesem Land kaum jemand einen PC oder Web-Zugang besitzt.
Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Sudan im April 2023, der mittlerweile auch die fragile Lage im benachbarten Südsudan destabilisiert, sind Hassbotschaften und gezielte Desinformationskampagnen ein explosives Thema. Die Konfliktparteien nutzen soziale Netzwerke, um ethnische Spannungen weiter anzuheizen. Milizen, Warlords und politische Akteure schüren mit digitaler Propaganda Ängste und rufen zu Gewalt auf.
Genau hier will „Defy Hate Now“ ansetzen: Das Projekt, das bereits seit 2014 besteht, verfolgt das Ziel, zivilgesellschaftliche Organisationen im Südsudan zu vernetzen, die Öffentlichkeit für die Gefahren von Hassrede zu sensibilisieren und auch die südsudanesische Diaspora in den Friedensprozess einzubinden. Für den Zeitraum von März 2023 bis September 2025 stellt die EU Fördermittel in Höhe von exakt 999.995 Euro bereit, zusätzlich zu 214.000 Euro, die bereits in den Jahren zuvor flossen.
Doch die Wirksamkeit des Programms wirft Fragen auf: Der Twitter-Account der Initiative ist schon seit Monaten weitgehend inaktiv, und auch die Website zeigt seit Monaten kaum neue Inhalte, berichtet die Online-News-Website NIUS. Welche konkreten Fortschritte das Projekt in der Eindämmung von Online-Hass im Südsudan erzielt hat, ist absolut unklar.
Projektleiterin Marina Modi, eine deutsche NGO-Managerin und Journalistin, betont jedoch die Dringlichkeit der Aufgabe: „Hassrede im Internet ist im Südsudan allgegenwärtig. Sie schürt reale Gewalt. Um dem entgegenzuwirken, braucht es nachhaltige, gut finanzierte Aufklärung.“