Umstrittene Brosius-Gersdorf zieht Kandidatur für Bundesverfassungsgericht zurück

Die SPD-Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, Frauke Brosius-Gersdorf, hat ihre Bewerbung zurückgezogen. In einer schriftlichen Erklärung, die dem Deutschlandfunk vorliegt, begründet die 54-jährige Professorin aus Potsdam ihren Schritt damit, dass ein Festhalten ohne reale Wahlchance sinnlos sei. Sie wolle Schaden von Demokratie und Institutionen abwenden.

Zugleich kritisiert Brosius-Gersdorf die Debatte um ihre Person. Einzelne Medien hätten ein Zerrbild von ihr als linker Aktivistin gezeichnet, erklärte sie. Es sei bedenklich, dass Desinformation in sozialen Netzwerken parlamentarische Entscheidungen beeinflusse. Abgeordnete dürften nicht ungeprüften Behauptungen folgen, so die Juristin.

Die SPD hatte Brosius-Gersdorf für das Richteramt nominiert. Nach kritischer Berichterstattung, etwa zu ihren Positionen beim Thema Abtreibung, wuchs der Widerstand in der Union. Ein für Juli angesetzter Wahlgang musste abgesagt werden, die SPD hielt jedoch bis zuletzt formal an der Kandidatur fest.