162.000 Euro Kosten pro Monat: Wirbel um City-Quartier für Roma

In Berlin-Schöneberg verschärft sich ein seit Jahren schwelender Nachbarschaftskonflikt um eine Unterkunft für Roma-Familien. Das frühere „BB Hotel Berlin“ in der Fuggerstraße wird seit 2020 vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg regelmäßig zur Unterbringung von Roma aus Bulgarien und Rumänien genutzt – besonders in den Sommermonaten. Anwohner sprechen inzwischen von einer massiven Belastung für das Viertel, das lange als sicherer Ort für LGBTQ+ galt.

Laut Polizei gab es allein von Juli 2024 bis Juni 2025 mehr als 100 Einsätze an der Adresse – im Schnitt alle drei Tage. Die Liste reicht von Lärmbelästigung über Körperverletzungen und Bedrohungen bis zu Betrugsverdacht. GdP-Sprecher Benjamin Jendro berichtet jedoch von einer noch höheren Einsatzfrequenz: „Wir haben zwei bis drei Einsätze jeden Tag.“

Ein besonders aufsehenerregender Fall ereignete sich Anfang Juli: Nach einem Wortwechsel mit einer Gruppe Jugendlicher aus der Unterkunft wurde ein Anwohner mit einem Pflasterstein beworfen. Das Geschehen wurde auf Video festgehalten, Anzeige folgte.

Viele Nachbarn fühlen sich alleingelassen. In privaten WhatsApp-Gruppen dokumentieren sie Vorfälle, ein Barbesitzer und ein Jogger wurden laut Medienberichten angegriffen. Manche denken über einen Umzug nach, andere sprechen offen darüber, wegen der Zustände ihr Wahlverhalten zu ändern.

Bezirksamt erkennt tägliche Herausforderung

Jendro wirft den Behörden Untätigkeit vor. Die EU-Freizügigkeit werde hier „als Freizügigkeit bei Sozialleistungen“ missbraucht, während Betreiber finanziell profitierten. Für jeden Bewohner zahlt der Staat bis zu 54 Euro pro Tag – was bei Vollbelegung monatlich 162.000 Euro kosten kann. „Wie können auf einer Etage mit zwei Zimmern 50 Leute untergebracht sein?“, fragt Jendro dazu. Antwort bekommt er keine.

Zwar dürfe jeder EU-Bürger seinen Wohnsitz frei wählen, so Jendro, doch wer sich dauerhaft nicht an Gesetze halte, solle nicht weiter in öffentlichen Unterkünften leben dürfen. Straftaten müssten Konsequenzen haben – bis hin zum Entzug der Freizügigkeit, wenn die innere Sicherheit gefährdet sei. Das Bezirksamt erkennt „tägliche soziale Herausforderungen“ an und hat den Roma-Verein „Amaro Foro“ um Unterstützung gebeten. Eine Hausversammlung habe stattgefunden, Beschwerden würden ernst genommen. Dennoch bleibe die Lage angespannt – viele Bewohner lebten nur saisonal in der Unterkunft und verschwänden im Winter.

Die Hotelinhaberin, deren Haus nicht zur Kette B&B gehört und nicht an Touristen vermietet wird, äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Für Jendro ist klar: Die Politik dürfe nicht warten, „bis erst etwas passiert, wie so oft in Berlin – sei es im Straßenverkehr oder bei Kriminalitätsschwerpunkten“.