Der Auslöser für dien aktuellen Kurssturz: die Ankündigung, über eine Kapitalerhöhung 9,4 Milliarden US-Dollar (60 Milliarden Dänische Kronen) einnehmen zu wollen. Damit droht den bisherigen Aktionären eine massive Verwässerung, da künftige Gewinne auf deutlich mehr Aktien verteilt werden müssten.
Der Schritt markiert den bislang tiefsten Punkt in der Geschichte eines Unternehmens, das einst als Vorzeigeprojekt der grünen Energiewende galt. Orsted war lange Vorreiter im Offshore-Windkraftgeschäft und profitierte von der globalen Abkehr von fossilen Brennstoffen. Die aktuelle Aktienemission wäre die größte im europäischen Energiesektor seit 2009 und hat den Kurs nun unter das Niveau des Börsengangs im Jahr 2016 gedrückt, berichtet finanzmarktwelt.de.
CEO Rasmus Errboe sieht in der Kapitalmaßnahme den einzigen Weg, um die angeschlagene Bilanz zu stabilisieren. Hintergrund sind vor allem politische und wirtschaftliche Gegenwinde: Die US-Regierung unter Donald Trump stoppte früh in seiner Amtszeit Genehmigungen neuer Offshore-Projekte und strich wichtige Steuervergünstigungen. Dies schränkte Orsteds Möglichkeit ein, Anteile an laufenden Projekten zu verkaufen.
In der Folge musste der Konzern mehr Großprojekte streichen als jeder andere Wettbewerber – darunter einen geplanten Windpark in Großbritannien und zwei Anlagen in den USA. Während Konkurrenten wie SSE oder Iberdrola ihr Geschäft breiter aufgestellt und ins Stromnetz investiert haben, bleibt Orsted stark von Großprojekten auf See abhängig.
Die Lage ist symptomatisch für die gesamte Branche: Noch vor wenigen Jahren galten Offshore-Windparks als sichere Wachstumsgaranten. Mit sinkenden Baukosten wuchsen die Hoffnungen auf jahrelanges, stabiles Wachstum. Doch steigende Zinsen, wegfallende Förderungen und geopolitische Unsicherheiten haben den Boom abrupt gebremst.
Orsted steht nun vor einer entscheidenden Phase. Die Kapitalerhöhung könnte dem Unternehmen Luft verschaffen – doch sie sendet auch ein Alarmsignal: Selbst Branchenführer sind nicht immun gegen die Turbulenzen in der Energiewende. Anleger und Industrie fragen sich nun, ob dies der Beginn einer umfassenderen Krise in der Windkraft ist oder nur ein schmerzhafter, aber überwindbarer Rückschlag.
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