Wien: Jeder dritte Migrant kann nach eineinhalb Jahren noch kein Deutsch

In Wien sprechen eineinhalb Jahre nach ihrer Registrierung beim AMS 35 Prozent der jüngeren syrischen Asylberechtigten kein einziges Wort Deutsch. Das zeigt eine aktuelle Studie, die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger im Auftrag des AMS durchgeführt hat. Österreichweit liegt dieser Wert bei 30 Prozent, in Oberösterreich bei 26 Prozent und in der Steiermark sogar nur bei 18 Prozent.

Laut Kohlenberger liegt das vor allem daran, dass Wien deutlich mehr Flüchtlinge aufnimmt – und damit die Integrationshürde höher ist. In ländlichen Regionen funktioniere der Spracherwerb oft besser, weil Vereine und Initiativen sich stärker um Einzelne kümmern könnten. Selbst Geflüchtete, die freiwillig in die Hauptstadt gezogen sind, berichten: „Am Land hatten wir mehr Kontakt zu den Österreichern.“

Syrerinnen schwer zu integrieren

Dabei sei den meisten durchaus bewusst, dass ohne Deutsch nichts gehe. Doch Bildungsdefizite, lange Jahre in Transitländern ohne Schul- oder Arbeitsmöglichkeiten und teils sogar fehlende Lese- und Schreibkenntnisse in der Muttersprache bremsen den Fortschritt. Manchen vergeht die Motivation, wenn der Lernerfolg ausbleibt oder ein Jobangebot den Sprachkurs verdrängt.

Trotz dieser Hürden sind laut AMS 57 Prozent jener Syrer, die im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 nach Österreich kamen, heute in Beschäftigung. Besonders Männer nähern sich der allgemeinen Erwerbsquote an. Bei Frauen dagegen stockt die Integration: Nicht einmal 40 Prozent sind berufstätig – oft, weil Familienarbeit Vorrang hat und der Einstieg später erfolgt. Kohlenberger warnt vor einer Wiederholung der „Gastarbeiterfrauen“-Erfahrung, die weder Deutsch lernten noch im Arbeitsleben ankamen – mit Folgen für die nächste Generation.