Falls der Frieden kommt: Was passiert mit Wolodymyr Selenskyj?
Wolodymyr Selenskyj, der Krieger-Präsident der Ukraine, ist heute bei US-Präsident Donald Trump. Was nach dem Treffen passiert, das ist noch unklar - aber Millionen Europäer hoffen auf einen Frieden mit Russland. Was das für Selenskyj bedeutet? Es gibt vier Möglichkeiten.
Die erste Variante für die Zukunft des ukrainischen Präsidenten wäre die beste: Wolodymyr Selenksyj (47) bleibt trotz eines Friedensschlusses an der Macht und kann die dann für ihn unvermeidbare Wahl in der Ukraine gewinnen. Dafür muss es aber für die Ukraine klare Schutz-Garantien durch die USA und durch die westeuropäischen Nationen geben - außerdem muss die Korruption in der Ukraine eingedämmt werden, damit Selenskyj als Präsident weitere Milliarden aus Europa für den Wiederaufbau des zerstörten Landes erhält.
Die zweite Möglichkeit: Wolodymyr Selenskyj wird nach Beginn einer Waffenruhe damit konfrontiert, dass er sich als Präsident innenpolitisch nicht mehr halten kann, auch eine kommende Wahl nicht gewinnen wird. Dann wird dem jetzigen Präsidenten wohl nichts anderes übrig bleiben, als ins Exil zu gehen. Frankreich oder Großbritannien würden ihm sicher ein neues Leben in Sicherheit garantieren - und ihn vor möglichen Attentaten weiterhin über Jahre schützen. Das Negative daran: Selenskyj wäre mit 47 Jahren bereits in einer erzwungenen Frühpension, öffentliche Auftritte wären dann vermutlich zu riskant.
Setzen die USA schon auf einen neuen ukrainischen Präsidenten?
Die dritte Variante wäre für Wolodymyr Selenskyj eher unerfreulich: Wenn nämlich die USA, Großbritannien und Frankreich auf einen neuen Präsidenten setzen, etwa auf Valerii Fedorovych Zaluzhnyi, den aktuellen ukrainischen Botschafter in London. Der Ex-Armeechef war Selenskyj zu populär, wurde entmachtet und nach Großbritannien abgeschoben. Bei diesem Austausch könnten Selenskyj auch die britischen Bodyguards entzogen werden - sein Leben wäre sofort in akuter Gefahr.
Die vierte Möglichkeit ist jene, die für Selenskyj am unangenehmsten wäre: Falls er bei einem von Donald Trump verkündeten und von Wladimir Putin akzeptierten Friedensschluss die Kontrolle über Kiew verliert, es zum Massendemonstrationen mit bürgerkriegsähnlichen Szenen sowie einem Sturm auf den Präsidenten-Sitz kommt. Nach den vielen brutalen Zwangsrekrutierungen, nach den Korruptionsfällen in der Regierung Selenskyjs und Maßnahmen gegen Regierungs-Kritiker und die freie Presse wäre ein plötzlicher emotionaler Ausbruch bei den Ukrainern durchaus möglich. Der jetzige Präsident müsste seine Familie und sich selbst wohl binnen weniger Minuten in Sicherheit bringen.
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