Kurz vor der geplanten Premiere hat die Betreiberin des Salzburger Programmkinos „Das Kino“ die Vorstellung eines neuen Films der Regisseurin Joyce Rohrmoser abgesagt. Der gemeinsam mit Sina Moser realisierte und von der öffentlichen Hand sowie der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Salzburg unterstützte Film widmet sich dem jüdischen Leben in der Festspielstadt. Vorgesehen war ein Abend mit Vorführung, Anwesenheit der Künstlerinnen und einer Diskussion mit IKG-Präsident Elie Rosen.
Als Begründung wurden zunächst „organisatorische Gründe“ genannt. Die Betreiberin sprach von einer Geschäftsreise. Gegenüber den Salzburger Nachrichten räumte sie später jedoch ein, dass man „zum gegenwärtigen Zeitpunkt niemandem einen Gefallen“ mit einer solchen Präsentation tue. Der Film sei zwar wichtig, könne aber auch woanders gezeigt werden. Ihr „voller Aufführungskalender“ lasse keine zeitnahe Präsentation zu.
Rosen: „Opportunistische Haltung“
Für Elie Rosen ist die Sache damit klar: „Hier handelt es sich nicht um ein logistisches Problem, sondern um eine opportunistische Haltung, die sich sogar erdreistet, sich als wohlmeinend zu inszenieren – als handle es sich um eine gute Tat, die Präsentation gerade nicht stattfinden zu lassen.“
Besonders problematisch sei für ihn das Schweigen der Stadt Salzburg, des Landes und der Kulturszene: „Das Schweigen wiegt schwerer als die Absage selbst.“ Rosen warnte vor einem „fatalen Signal“ und erinnerte an die Ausgrenzung jüdischer Stimmen und Kunstwerke während der NS-Zeit.
Zur Unterstreichung seiner Kritik verwies er auf die Mahnungen großer Staatsmänner: Richard von Weizsäcker habe 1985 gesagt „Das Schweigen kann eine Schuld sein“. Helmut Schmidt warnte: „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.“
Die Absage reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, die zuletzt in Österreich für Aufsehen sorgten. In Seekirchen am Wallersee (Flachgau) soll der Besitzer einer Pizzeria am Mittwochabend eine israelische Familie mit dem Hinweis, „ihr hungert die Menschen in Gaza aus“, aus dem Lokal geworfen haben. Die IKG Salzburg sprach von einem klaren antisemitischen Vorfall und verurteilte das Verhalten „mit großer Entschiedenheit“.
Der Wirt wies die Vorwürfe zurück. Gegenüber den Salzburger Nachrichten erklärte er, die Familie sei erst um 21:22 Uhr gekommen, die Küche habe aber um 21:30 Uhr geschlossen. Es habe keine Diskussion über Herkunft oder Politik gegeben, das Wort „Gaza“ sei nicht gefallen. „Wir sind total neutral in unserem Betrieb“, betonte er.
Von der Polizei liegt keine Anzeige vor. IKG-Präsident Rosen erklärte gegenüber der APA, Anzeigen in solchen Fällen seien oft „ziemlich zahnlos“. Die betroffene Familie habe dem Wirt erklärt, sie sei bloß als Touristen unterwegs, doch dieser habe offenbar nicht zuhören wollen.
Reaktionen aus Politik und Gemeinde
Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) verurteilte diesen Vorfall scharf: „Antisemitismus hat in Österreich und in Salzburg keinen Millimeter Platz. Im Gegenteil: Österreich ist stolz auf seine jüdische Gemeinde und freut sich über Gäste aus Israel.“ Sie habe sofort Kontakt mit dem Bürgermeister von Seekirchen, dem israelischen Botschafter und der Kultusgemeinde aufgenommen.
Parallel dazu berichtet die IKG von einer Flut an Hassmails, die täglich eingehen. Rosen sprach von Schreiben, die in offenem Nazijargon Juden als „Inbegriff des Bösen“ darstellen. Dieser Sprachgebrauch erinnere direkt an die Propaganda des „Stürmers“. „Wird man die Repräsentanten der jüdischen Gemeinden, die als solche bekannt sind, bald auch nicht mehr bedienen – und die Gesellschaft schweigt weiter?“, fragte Rosen.