Es geht also doch: Iran schiebt 1,2 Millionen Afghanen ab

Der Iran hat in den vergangenen sechs Monaten 1,2 Millionen afghanische Flüchtlinge abgeschoben. Nach Angaben von Innenminister Eskandar Momeni sollen bis März 2026 weitere 800.000 Menschen folgen. Damit müssten insgesamt zwei Millionen der geschätzten sechs Millionen Afghanen im Iran das Land verlassen.

Die Maßnahme richte sich ausschließlich gegen Personen ohne gültigen Aufenthaltsstatus und habe nichts mit „Fremdenfeindlichkeit“ zu tun, betonte Momeni laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.

Jedes Jahr fliehen Hunderttausende Afghanen wegen Krieg, Armut und Perspektivlosigkeit über die 300 Kilometer lange Grenze in den Iran. Viele von ihnen arbeiten in Metropolen im Niedriglohnsektor – auf Baustellen, in kleinen Geschäften oder in der Landwirtschaft. Sie gelten als billige, aber unverzichtbare Arbeitskräfte.

Hauptgrund für die rigorose Abschiebepolitik ist die schlechte Wirtschaftslage im Iran. Internationale Sanktionen im Zuge des Atomstreits haben das ölreiche Land in die schwerste Krise seiner Geschichte gestürzt. Hohe Inflation und Massenarbeitslosigkeit belasten Bevölkerung und Regierung gleichermaßen.

Die geplanten Abschiebungen verschärfen die humanitäre Lage in Afghanistan zusätzlich – einem Land, das selbst von Wirtschaftskollaps und anhaltender Gewalt gezeichnet ist. Hilfsorganisationen warnen daher vor einer weiteren Eskalation der ohnehin angespannten Situation.

Credit: Reuters