Botulinum-Schock in Italien: Vier Tote – Ermittlungen gegen Ärzte und Produzenten
Die Zahl der Todesopfer durch eine Lebensmittelvergiftung mit Botulinum in Italien ist auf vier gestiegen. Besonders betroffen sind Sardinien und Kalabrien, wo mehrere Menschen nach dem Verzehr kontaminierter Lebensmittel im Krankenhaus behandelt werden mussten.
Am Dienstag starb die 62-jährige Valeria Sollai in einem Krankenhaus in Monserrato auf Sardinien. Sie hatte Ende Juli auf der „Fiesta Latina“ in der Stadt ein Guacamole-Gericht gegessen. Bereits zuvor war die 36-jährige Roberta Pitzalis an den Folgen derselben Mahlzeit im Krankenhaus Businco in Cagliari verstorben. Ein 14-jähriges Mädchen liegt weiterhin in der Klinik.
In Kalabrien verloren zwei weitere Menschen ihr Leben, nachdem sie Anfang August in Diamante (Provinz Cosenza) Sandwiches mit Wurst und dem Gemüse Friarielli bei einem Straßenhändler gegessen hatten. Dort erkrankten insgesamt 18 Personen.
Die Staatsanwaltschaft von Paola ermittelt inzwischen gegen zehn Verdächtige – darunter der Straßenhändler, drei Manager von Lebensmittelbetrieben sowie sechs Ärzte, die die Opfer vor ihrem Tod behandelt hatten. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und der Handel mit gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln vorgeworfen.
Italien ist Botlismus-Hotspot
Nach Untersuchungen des Obersten Gesundheitsinstituts (Istituto Superiore di Sanità) wurden die Vergiftungen nicht nur durch ein einzelnes Lebensmittel ausgelöst. In Frage kommen mehrere Zutaten der betroffenen Mahlzeiten.
Italien weist laut dem Institut europaweit die höchste Rate an Botulismus-Fällen auf. Zwischen 2001 und 2020 wurden dort 452 Fälle bestätigt. 2023 verzeichnete Italien 36 Erkrankungen – mehr als jedes andere Land in Europa. Häufig steht die traditionelle häusliche Konservierung von Lebensmitteln im Zusammenhang mit den Vergiftungen.
Experten warnen: Das Botulinumtoxin ist unsichtbar, geschmacklos und eines der stärksten bekannten Gifte. Symptome reichen von Sehstörungen über Schluckbeschwerden bis hin zu Atemlähmungen. Im Verdachtsfall sei sofortige medizinische Hilfe lebensrettend.