Arktisches Meereis schmilzt langsamer

Die Arktis überrascht die Forschung: Obwohl sie sich schneller erwärmt als jede andere Region der Erde, ist das Meereis in den vergangenen zwei Jahrzehnten langsamer geschmolzen als viele Modelle vorhergesagt hatten. Für Klimaforscher ist diese Entwicklung eine bemerkenswerte Beobachtung.

Ein Team um Mark England von der Universität Exeter und UC Irvine hat die Daten ausgewertet und kommt zu dem Schluss: Verantwortlich sind natürliche Klimaschwankungen. „Die sommerlichen Meereisflächen sind zwar heute um ein Drittel kleiner als noch vor 50 Jahren, aber der Rückgang hat sich zuletzt verlangsamt“, berichtet England.

Besonders im September, wenn die Eisdecke ihr Minimum erreicht, lässt sich dieser Effekt erkennen. Für England und sein Team ist die Phase ein Beleg dafür, dass selbst in einer Welt, die sich messbar erwärmt, komplexe und unerwartete Dynamiken wirksam sind.

Die Forscher gehen davon aus, dass diese Atempause noch einige Jahre andauern könnte. Und auch wenn der langfristige Trend klar Richtung Schmelze weist, rückt dieser Zwischenstopp das fragile Ökosystem Arktis in ein anderes Licht: als einen Raum voller Rätsel, der der Wissenschaft immer wieder neue Fragen stellt.