Ökonom fordert verpflichtendes Sozialjahr für Pensionisten

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat ein verpflichtendes soziales Jahr für Rentner gefordert. Die Belastungen der kommenden Jahre dürften nicht allein auf die junge Generation abgewälzt werden, sagte er dem „Spiegel“. Auch ältere Menschen müßten stärker Verantwortung übernehmen.

Fratzscher warf den Babyboomern vor, den Generationenvertrag gebrochen zu haben. Sie hätten zu wenige Kinder bekommen und lebten länger, was das System ins Ungleichgewicht bringe. Statt allein die Jungen stärker zu belasten, brauche es einen Ausgleich von Reich zu Arm. Als Instrument brachte der Ökonom erneut einen „Boomer-Soli“ ins Gespräch, der auf hohe Alterseinkünfte erhoben werden solle.

Eine pauschale Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre lehnte Fratzscher ab. Zwar müsse das tatsächliche Eintrittsalter steigen, gesundheitliche Risiken dürften aber nicht ignoriert werden. Sinnvoller seien Anreize für längeres Arbeiten und Investitionen in Prävention.

Ein verpflichtendes Dienstjahr für Rentner könne nach seinen Worten im Sozialbereich oder im zivilen Verteidigungsbereich angesiedelt sein. Technische Fähigkeiten und berufliche Erfahrung der Älteren seien dort wertvoll. Ziel sei eine gerechtere Verteilung der Lasten zwischen den Generationen.