"Bewusst so entschieden": Von der Leyen verteidigt ihr Zoll-Desaster
Während sie nun in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor den Gefahren eines Handelskrieges warnt, wächst die Kritik an ihrer Verhandlungsführung. Ihr geschlossenes Abkommen nutzt vor allem Washington – während Europa gewaltige Zugeständnisse macht.
Von der Leyen betont, ein Handelskrieg hätte nur Moskau und Peking in die Hände gespielt. Doch Kritiker fragen, warum die EU bereit war, so weitreichende Zugeständnisse zu akzeptieren, obwohl Europa traditionell eine der stärksten Wirtschaftsmächte weltweit ist. Statt Stärke zu zeigen, sei die Kommissionspräsidentin, so der Vorwurf, vor Donald Trumps Drohungen eingeknickt.
Konkret sieht der Deal US-Zölle von maximal 15 Prozent auf europäische Produkte vor – ein Satz, der für Autobauer zwar niedriger ist als die bisher drohenden 27,5 Prozent, aber immer noch deutlich über den früheren 2,5 Prozent liegt. Im Gegenzug schafft die EU Zölle auf US-Industriegüter komplett ab und öffnet ihre Märkte für weitere amerikanische Lebensmittelimporte. Besonders heikel: Die EU verpflichtet sich, US-Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar abzunehmen und zusätzliche 600 Milliarden Dollar in den USA zu investieren.
Europas Verhandlungsposition geschwächt
Dass der Deal lediglich auf einer mündlichen Vereinbarung zwischen Trump und von der Leyen basiert und rechtlich nicht bindend ist, sorgt für zusätzliche Skepsis. Sollte Trump seine Drohkulisse erneut aufbauen, stünde die EU ohne Absicherung da. Schon jetzt zeigt sich, dass Washington nicht bereit ist, auf europäische Vorschläge wie den vollständigen Abbau aller Industriezölle einzugehen.
Wirtschaftsexperten warnen, dass die EU mit diesem Abkommen langfristig ihre eigene Verhandlungsposition geschwächt hat. Statt die Interessen europäischer Unternehmen und Verbraucher in den Mittelpunkt zu stellen, habe die Kommission vor allem amerikanische Forderungen bedient. Von der Leyens Hinweis auf neue Handelsabkommen mit Mexiko, Mercosur oder Indien wirkt vor diesem Hintergrund wie ein schwacher Trost.
Während Brüssel von Stabilität spricht, bleibt bei vielen die Sorge: Die USA profitieren – Europa zahlt.