In die Debatte um eine Ausladung Israels vom European Song Contest 2026 in Wien stieg nun auch Deregulierungs-Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) ein: Obwohl bereits sechs Länder – Spanien, Irland, Slowenien, Island, Norwegen und Belgien – angekündigt haben, dem ESC fernzubleiben, sollte Israel antreten dürfen, meinte Schellhorn.
NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn, auch zuständig für Auslandskultur, stellte im Gespräch mit dem Kurier klar: „Kultur-Boykotte sind dumm und sinnlos, sie bringen uns nicht weiter.“ Es sei selbstverständlich, dass demokratische Staaten wie Spanien oder Irland frei in ihrer Entscheidung seien, ob sie antreten oder nicht. „Wenn sich ein Nachbarland entschließt, nicht teilnehmen zu wollen, dann müssen wir das als Österreich aushalten.“
Trennstrich zwischen Kultur und Politik ziehen
Gleichzeitig betonte Schellhorn die grundsätzliche Gefahr solcher Ausschlüsse: Kultur dürfe nicht zum Spielfeld politischer Gesinnungsprüfungen werden. Dies gelte nicht nur für Israel, sondern auch für russische Künstlerinnen und Künstler wie Anna Netrebko oder Teodor Currentzis, die seit Beginn des Ukraine-Krieges unter besonderer Beobachtung stehen. „Wir müssen einen klaren Trennstrich ziehen zwischen der Kultur und der Politik“, so der Staatssekretär.
Um ein Signal gegen die wachsenden Rufe nach Boykotten zu setzen, kündigte Schellhorn an, gemeinsam mit NEOS-Parteichefin und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger einen Brief an die europäischen Amtskollegen zu richten. Darin werde Österreich ausdrücklich davor warnen, Kulturboykotte als politisches Druckmittel einzusetzen. Dieser Schritt solle in Abstimmung mit den Koalitionspartnern ÖVP und SPÖ erfolgen, um eine geschlossene Haltung zu zeigen.
Der Song Contest sei mehr als nur ein Unterhaltungsformat, argumentiert Schellhorn. Er sei ein europäisches Kulturprojekt, das seit Jahrzehnten für Austausch, Offenheit und Vielfalt stehe. Schellhorn: „Gerade in Zeiten politischer Spannungen sollten wir den ESC nicht für geopolitische Auseinandersetzungen missbrauchen. Kultur baut Brücken – sie darf nicht zum Werkzeug der Spaltung werden.“
Die Auseinandersetzung erinnert an frühere Debatten um die Teilnahme Russlands, das nach dem Angriff auf die Ukraine vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde. Während damals eine breite Mehrheit im ESC-Umfeld den Schritt unterstützte, ist die Lage im Fall Israel wesentlich komplizierter. Viele Staaten pochen auf die kulturelle Neutralität des ESC, andere sehen in einer Teilnahme ein politisches Signal, das sie nicht mittragen wollen.
Für den Mai 2026, wenn die ESC-Bühne eröffnet wird, droht Österreich jedenfalls ein Mini-Song-Contest.