Russische Provokationen: Pistorius warnt NATO-Partner vor "Eskalationsfalle" Putins

Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) warnt davor, auf mutmaßliche russische Provokationen mit militärischer Härte zu reagieren. Bislang habe es keine Aggressivität bei den Vorfällen gegeben, man solle sich nicht provozieren lassen

Pistorius sprach gegenüber seinem schwedischen Amtskollegen Pal Jonson von einer "Eskalationsfalle": "Aber den Gefallen werden wird Wladimir Putin nicht tun", sagte der Verteidigungsminister.

Pistorius wies darauf hin, bislang habe es keine Aggressivität bei diesen Vorfällen gegeben. "Das ist aber Voraussetzung dafür, dass man physisch eingreifen kann", sagte er mit Blick auf Forderungen, russische Maschinen bei Luftraumverletzungen auch abzuschießen. "Und deswegen muss man sehr klar sagen: Wir werden uns nicht provozieren lassen, aber wir sind da und wir werden abfangen. Wir werden genau beobachten, was passiert und werden hinausbegleiten. Duldsam und geduldig, aber klar machen, wir sind da und wir können jederzeit mehr."

Die Piloten der Eurofighter könnten jederzeit den eigenen Luftraum wehrhaft verteidigen. Pistorius: "Das muss allen klar sein, und das ist auch Russland klar." Besonnenheit und Stärke seien kein Gegensatz, sondern gehörten zusammen. Jonson sagte mit Blick auf Verstärkungen der NATO-Präsenz an der Ostflanke, nun sei es Zeit für Solidarität und praktisches Handeln.

Andere Töne kommen dagegen aus dem NATO-Rat. Nachdem russische Kampfjets vergangenen Freitag estnischen Luftraum verletzt hatten, drohte die NATO nach einem Treffen am Dienstag erstmals mit direkter Gewalt gegen russische Flugobjekte, sollte Russland noch einmal den Luftraum eines Partnerstaates durch Flugzeuge oder Drohnen verletzten.

Die NATO und deren Alliierte würden im Einklang mit dem Völkerrecht alle notwendigen militärischen und nicht-militärischen Mittel einsetzen, um sich zu verteidigen, hieß es in einer Erklärung aller 32 NATO-Bündnisstaaten.

Damit schließt die Verteidigungsallianz offenbar auch einen Abschuss russischer Kampfflugzeuge im Notfall nicht mehr aus. Vor allem Polens Regierungschef Donald Musk wurde Anfang der Woche deutlich: Sein Land werde resolut gegen Verletzungen seines Luftraums einschreiten. Auch der Abschuss fremder Flugobjekte sei ein mögliches Szenario.