Nur 100 Euro Strafe für Attacke auf Synagoge
Ein Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Graz sorgt für heftige Kritik der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Salzburg, Steiermark und Kärnten. Ein 27-jähriger Franzose hatte am 25. Mai 2025 die Kuppel der Grazer Synagoge mit Glasflaschen beworfen und das Klingeltableau des Gemeindehauses zerstört. Sicherheitskräfte verhinderten Schlimmeres.
Die zuständige Richterin entschied am 16. September, den Mann mit einer Diversion von 100 Euro und einjähriger Probezeit zu entlassen. Für die IKG ist das ein „Skandal ohnegleichen“. Präsident Elie Rosen warnt: „Wer Synagogen angreift und dafür mit 100 Euro davonkommt, erhält einen Freibrief. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller jüdischen Bürger und eine fatale Einladung an Nachahmer.“
Die Staatsanwaltschaft hatte einen Strafantrag gestellt und Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt. Dennoch bleibt der Eindruck, antisemitische Straftaten würden bagatellisiert. „Angriffe auf jüdische Einrichtungen wurden zuletzt 1938 geduldet. Dass Täter heute nahezu ungeschoren davonkommen, ist ein Justiz- wie auch ein gesellschaftliches Versagen“, so Rosen.
Die Kultusgemeinde fordert von Politik und Justiz eine deutliche Korrektur: Verfahren müssten die historische Verantwortung Österreichs ernst nehmen und generalpräventiv wirken. „Jüdische Einrichtungen dürfen nicht wieder zum Freiwild erklärt werden“, mahnt Rosen.