Der Kulturbericht des Vizekanzlers: Steuergeld auch für Zirkus-Lehrlinge und Appetit-Förderer

Wir hätten eine Krise, wird uns gesagt. Es sei so schlimm, dass unsere Senioren belastet werden müssen. Der aktuelle Kulturbericht zeigt, wo absolut nicht gespart wird.

Andreas Babler. Foto: Thomas Kronsteiner/Getty Images

Andreas Babler. Foto: Thomas Kronsteiner/Getty Images

Im aktuellen Kunst- und Kultur-Bericht verrät die Bundesregierung, wo ganz sicher nicht gespart wird: Andreas Babler (SPÖ) kündigte zwar bei der Präsentation des 453-seitigen Dossiers an, dass künftig weniger Steuergeld in diesen Bereich der exzessiven staatlichen Subventions-Verteilung fließen werde - aber in einem Jahr wissen wir, ob das dann tatsächlich passiert ist. 2024 finanzierten Österreichs Steuerzahler den heimischen Kunst-Betrieb jedenfalls mit 632 Millionen Euro, das ist ein Anstieg um 63 Millionen Euro gegenüber 2023.

Was mit diesen öffentlichen Geldern gefördert wird? Neben den großen Museen und Theatern auch Vereine und Einzelpersonen, deren Bedeutung für das Überleben der Kultur in Österreich zumindest hinterfragenswert sein könnte - statement.at fand in den 453 Seiten einige Beispiele, über deren weitere Finanzierung in einer der schwersten Wirtschaftskrisen der Geschichte Österreichs zumindest diskutiert werden könnte.

So lässt der Kunst- und Kultur-Minister, Vizekanzler und SPÖ-Bundesparteichef auch den Verein VADA mit 27.000 Euro fördern. VADA ist ein "Verein zur Anregung des dramatischen Appetits". Die Klagenfurter Gruppe bringt auch Stücke wie die "Provokative Pseudopsychose" auf die Bühne.

42.000 Euro Förderung für Salam Oida

Salam Oida, ein Wiener Verein, darf sich über eine Jahres-Subvention aus Bablers Ministerium in der Höhe von 42.000 Euro Steuergeld freuen. Die Künstler zeigen "muslim-contemporary Art", etwa die Inszenierung: "Spieglein, Spieglein an der Wand. Sind wir zu muslimisch für dieses Land?"

Fiftitu, eine Vernetzungsstelle für Frauen in der Kunst bekam im Vorjahr 57.000 Euro als Subvention.

D-Arts, eine Konzeptions-, Kurations-, und Servicestelle für die "Entwicklung von diskriminierungssensiblen Konzepten für den Kulturbetrieb österreichweit", wurde mit 60.000 Euro gesponsert.

Insgesamt flossen an diverse Kunst- und Kultur-Vereine in Österreich 7,05 Millionen Euro, das ist ein deutliches Plus von mehr als 600.000 Euro im Vergleich zu 2023 (6,4 Millionen Euro).

Fast eine Million Euro an Stipendien ausbezahlt

Was viele Steuerzahler vermutlich gar nicht wissen: Bablers Kunst- und Kultur-Ministerium versorgt auch Einzelpersonen mit Stipendien. So durften sich zehn künftige Zirkus-Stars über je 9000 Euro freuen - das lief und läuft unter "Arbeitsstipendium für den zeitgenössischen Zirkus". Laut ChatGPT und orf.at gibt es allerdings nur noch zwei traditionelle Zirkusse in Österreich - der bekannte Circus Roncalli hat seinen Hauptsitz mittlerweile nach Köln verlegt.

Auch eher weniger bekannte Nachwuchs-Autoren erhielten 2024 auf Kosten der Steuerzahler Reisestipendien: Je 1500 Euro gingen an zehn Schriftsteller, damit sie die Welt etwas günstiger bereisen können.

Ebenso überraschend im Bericht: Obwohl es ja im wirtschaftlichen Interesse der privaten Buchverlage sein müsste, werden auch Stipendien an Personen vergeben, die Texte großer österreichischer Autoren übersetzen. So etwa bekam ein Antragsteller 2000 Euro, weil er das bereits 55 Jahre alte Thomas-Bernhard-Buch "Das Kalkwerk" ins Schwedische übersetzte.

45.000 Euro auch für Jung-Kabarettisten

Und tatsächlich: Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) will künftig auch Steuergeld an Nachwuchs-Kabarettisten verteilen - seit wenigen Wochen können sich Antragsteller um fünf Kabarettisten-Stipendien bewerben. Diese subventionierten Kabarettisten erhalten je 1500 Euro Steuergeld pro Monat, die Laufzeit beträgt 6 Monate. Pro Jahr werden fünf Stipendien im Gesamtwert von 45.000 Euro vergeben, Alleinerziehende können zusätzlich um einen Alleinerzieherbonus und/oder Kinderbetreuungsbonus ansuchen.

2024 summierten sich die Stipendien-Zahlungen auf 920.000 Euro.

Der ganze Kunst- und Kultur-Bericht zum Nachblättern: kunstkulturbericht_2024.pdf

Verein Förderungen
Ein Auszug aus der Liste der hunderten Subventions-Empfänger Credit: Screenshot Kunst-Bericht