Österreich klagt Online-Riesen Temu
Irreführende Rabatte, fingierte Gewinnspiele und fragwürdige Methoden zur Datensammlung – die Liste an Vorwürfen gegen den chinesischen Onlinehändler Temu ist lang. Nun geht Österreich juristisch gegen den Billigriesen vor. Im Auftrag des Sozialministeriums hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) beim Handelsgericht Wien eine Verbandsklage eingebracht.
Im Zentrum stehen sogenannte „Dark Patterns“ – manipulative Designelemente, die Nutzer zu überstürzten Käufen oder zur Preisgabe persönlicher Daten verleiten sollen. Dazu zählen Glücksräder, Countdown-Timer, aufdringliche Pop-ups und künstlich erzeugte Verknappung. Auch die komplizierte Abmeldung von Temu sorgt für Kritik: Während ein Konto in drei Schritten erstellt ist, dauert die Löschung sieben Schritte und eine Woche Wartezeit.
Die Klage stützt sich auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und den EU-Digital Services Act. Bereits seit Monaten nimmt auch die EU-Kommission Temu wegen irreführender Rabatte, gefälschter Bewertungen und mangelnder Transparenz ins Visier.
„Wer trickst, verliert – das gilt auch für internationale Online-Ramschläden wie Temu“, sagte Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) zum Standard. Temu präsentiere sich als Spiel, sei aber ein Geschäft mit unlauteren Methoden. Österreich wolle klarstellen: Wer in Europa verkaufe, müsse sich an europäische Spielregeln halten. Am Ende dürften nicht die Konsumenten die Leidtragenden sein.