Beschlagnahmte russische Superyacht kostet Triest 30.000 Euro - pro Tag

Seit drei Jahren liegt die „Sailing Yacht A“, das futuristische 143-Meter-Megaschiff des russisch-belarussischen Milliardärs Andrey Melnitschenko, im Hafen von Triest – und der absurd gigantische Kahn sorgt dort für Schlagzeilen wie kaum ein anderes Symbol der europäischen Sanktionspolitik: Das Schiff, dessen Wert auf 600 Millionen Euro geschätzt wird, wurde im März 2022 im Zuge der EU-Sanktionen gegen russische Oligarchen beschlagnahmt. Seither prägt es mit seinen gewaltigen Masten die Skyline der norditalienischen Hafenstadt und zieht täglich Schaulustige und Touristen an. Doch hinter der imposanten Kulisse verbirgt sich ein teures Problem: Die Unterhaltungskosten treiben die Stadt und den Staat in finanzielle Schwierigkeiten.

Der Bürgermeister von Triest, Roberto Dipiazza, hat seiner Verärgerung nun Luft gemacht. „Chi pagherà i 30 mila euro di spese al giorno?“ – „Wer wird die 30.000 Euro Tageskosten bezahlen?“, fragte er Ende September öffentlich. Seine Worte unterstreichen die Dimension der Belastung: Zwischen 20.000 und 30.000 Euro pro Tag verschlingt die Erhaltung des Luxus-Schiffes. Hochgerechnet ergibt das fast neun Millionen Euro pro Jahr – nach drei Jahren liegen die Gesamtkosten bei fast 27 Millionen Euro. Geld, das aus Sicht des Bürgermeisters an anderer Stelle dringend gebraucht würde.

Andrey Melnichenko
Der Eigentümer der Yacht: Andrey Melnitschenko Getty Images

Was so teuer ist, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Es handelt sich nicht um eine bloße „Liegeplatz-Gebühr“. Vielmehr muss eine Minimalbesatzung an Bord bleiben, um die komplexen technischen Systeme am Laufen zu halten. Generatoren verbrauchen Treibstoff, Versicherungen und Wartungen müssen bezahlt werden, und rund um die Uhr ist Sicherheitspersonal im Einsatz. Hinzu kommen Lotsendienste im Hafen und laufende Kontrollen durch die Hafenbehörden. Das Schiff ist eingefroren, darf nicht bewegt werden – doch sein technischer Zustand muss erhalten bleiben, da es rechtlich nicht beschlagnahmt, sondern nur „eingefrorenes Kapital“ ist.

Superyacht Triest
Die „Sailing Yacht A“ auf hoher See. Credit: Screenshot X

Genau dieser juristische Status ist entscheidend: Im Rahmen eines „congelamento amministrativo“ handelt es sich nicht um eine Enteignung, sondern um eine vorläufige Blockierung. Sollte der Eigentümer erfolgreich gegen die Sanktionen vorgehen oder diese in Zukunft aufgehoben werden, muss die Yacht in vergleichbarem Zustand zurückgegeben werden. Das bedeutet: Weder Italien noch die EU dürfen zulassen, dass das Schiff verfällt. Damit aber sind die Steuerzahler in der Pflicht, zumindest indirekt für den Werterhalt aufzukommen.

Situation sei ein Affront, sagt Triests Bürgermeister

Für Bürgermeister Dipiazza ist diese Lage ein Affront. Er verweist auf das Budget seiner Stadt, die kürzlich 850.000 Euro für die Instandhaltung ihres historischen Tramnetzes bereitgestellt hat. „Dieser Betrag deckt gerade einmal die Kosten von einem Monat, um diese Yacht am Leben zu erhalten“, kritisiert der Stadtchef. Der Vergleich macht deutlich, warum die Wut in Triest wächst: Während für öffentliche Dienstleistungen das Geld knapp ist, verschlingen die EU-Sanktionen Millionenbeträge zur Erhaltung eines Oligarchen-Schiffes.

Die Debatte ist längst nicht mehr nur lokal, sondern ein europäisches Politikum. Denn Triest ist nicht der einzige Hafen, in dem Luxusgüter russischer Milliardäre eingefroren sind. Überall in Europa liegen Jachten und Villen still, deren Unterhalt Millionen kostet. Der Fall in Triest zeigt jedoch exemplarisch, wie sehr Sanktionen gegen Russland auch europäische Kommunen vor finanzielle Herausforderungen stellen.

Ob und wie die Kosten künftig verteilt werden, ist offen. Klar ist nur: Solange die Sanktionen bestehen, bleibt die „Sailing Yacht A“ ein teurer Fremdkörper im Hafen von Triest – und auch ein Symbol für Europas Politik gegen Putins Oligarchen.

Superyacht 2
„Sailing Yacht A“ - mit Pool zwischen zwei Masten. Grafik Screenshot X

Superyacht Triest
Eines der Schlafzimmer auf der gigantisch großen Superyacht. Credit: Screenshot X