Die ÖVP fällt von 42,3 auf 20 Prozent - wann wird Kurz bekniet?
42,3 Prozent für die ÖVP unter Wolfgang Schüssel, dann wieder Höhenflüge mit Parteichef Sebastian Kurz - und nun auf traurigen 20 % (Lazarsfeld Gesellschaft für oe24). Kein Wunder, dass viele ÖVP-Politiker im vertraulichen Gespräch sich ein Comeback von Sebastian Kurz herbeisehnen.
Diese Fragen zu einer eventuellen Rückkehr Ex-Kanzlers an die Spitze der ÖVP müssen aber zuvor beantwortet werden: Wann ist die Schmerzgrenze der Volkspartei in den Umfragen erreicht? Wann sagen die Landeschefs, es ist jetzt mit Christian Stocker alles zu schlecht, zu unprofessionell - und zu gefährlich für den Machterhalt? Bei 17 %? Oder noch weniger?
Und möchte Sebastian Kurz eine Partei übernehmen, die demnächst bei 17 % am Boden liegt? Will sich der erfolgsverwöhnte Ex-ÖVP-Chef das antun? Möchte der nicht mehr ganz so junge Jung-Star die vermutlich nötigen Steuererhöhungen und weiteren Stufen der Marter der Österreicher durchziehen müssen, die zur Sanierung der katastrophalen Budget-Situation nötig sein werden? Was wird im Innersten von Kurz gewinnen: Der Wunsch nach Macht und die Eitelkeit - oder die Vernunft, erst in zehn Jahren wieder einen Versuch zu wagen?
Politik-Experten meinen, dass es nicht die Vernunft sein wird, die beim Ex-Kanzler ein Fernbleiben von der Politik noch für Jahre garantieren wird: Sebastian Kurz sei ein Rennpferd, sagen viele, die ihn gut kennen. Er will nicht länger auf der Koppel herumstehen und den anderen bei der desaströsen Führung der II. Republik zusehen. Er ist ein Macher, ein Showman, dessen jetzige Bühne der Welt der Cybersecurity-Vorträge viel zu klein ist. Kurz säße gerne wieder am Tisch mit Macron, Starmer und von der Leyen.
Kurz könnte die FPÖ massiv gefährden
Für die Volkspartei wäre ein Comeback vermutlich die Rettung vor dem völligen Abstieg zur Kleinpartei: Der türkise Show-Mann könnte eben Show und Aufbruchsstimmung liefern, Christian Stocker, der Anwalt aus Wiener Neustadt, wird dagegen nie zu einem beliebten Volkstribun, nie zum gefeierten Macher. Er hat das auch selbst verschuldet. Und Kurz würde den weiteren Aufstieg von Herbert Kickl massiv gefährden: Der Ex-Kanzler nahm schon einmal den Freiheitlichen die Themen weg und schoss sie dann 2019 in die totale Krise.
Sind es zwei Wochen oder doch noch zwei Monate, bis Sebastian Kurz bekniet wird, das wieder aufzubauen, was seine Nachfolger vernichtet haben? Es wird sich dann jedenfalls zeigen, ob der frühere und neue Parteichef der ÖVP mit seinem mächtigen Netzwerk tatsächlich Österreich aus der Krise führen kann. Eines ist jedenfalls sicher: Der aktuelle Kanzler kann es nicht.
Parmenion