Galibov: "Unsere christlich-jüdische Kultur wird erschüttert"
Der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Michael Galibov, hat sich mit eindringlichen Worten zur gesellschaftlichen Entwicklung in Europa geäußert. In einem Beitrag für die jüdische Zeitschrift Jachad beschreibt er, wie eine „falsche Toleranz“ seit dem Jahr 2015 die Grundfesten der christlich-jüdisch geprägten Kultur erschüttert habe. Europa habe damals, so Galibov, die „Tore der Toleranz zu weit geöffnet“ und damit einen „historischen Fehler“ begangen.
Er sieht die Gefahr nicht nur in extrem rechten Strömungen, sondern zunehmend in einer Allianz aus linksradikalen Kräften, Woke-Ideologie und naivem Liberalismus. „Unter dem Deckmantel von Gerechtigkeit wird ein Weltbild propagiert, das Kultur, Tradition, Familie und Religion verhöhnt“, warnt der IKG-Vizepräsident. Dieses Zusammenspiel schwäche Europa von innen, während von außen „radikale Kräfte ungehindert eindringen“ könnten.
Tiefgreifender Wandel im Stadtbild
Für Michael Galibov ist der Herbst 2015, die Hochphase der Flüchtlingskrise, der Wendepunkt. Seither seien die sozialen Systeme vieler Staaten überlastet, Integration bleibe oft Stückwerk, und Spannungen nähmen zu. Besonders kritisch sei die Entwicklung in manchen Wiener Bezirken, etwa in Favoriten, wo er einen tiefgreifenden Wandel im Stadtbild und im gesellschaftlichen Klima ausmacht. „Viele Einheimische fühlen sich wie Fremde im eigenen Land“, so seine Diagnose.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt die Dimension: Allein in Österreich stellten seit 2015 mehr als 190.000 Syrer und 130.000 Afghanen Asylanträge. Die Verteilung nach Jahren verdeutlicht die Schübe:
- 2015: 24.500 Syrer, 25.500 Afghanen
- 2016: 17.000 Syrer, 14.000 Afghanen
- 2017: 4.900 Syrer, 4.500 Afghanen
- 2018: 3.100 Syrer, 2.400 Afghanen
- 2019: 2.900 Syrer, 3.000 Afghanen
- 2020: 3.300 Syrer, 4.800 Afghanen
- 2021: 7.100 Syrer, 8.700 Afghanen
- 2022: 9.400 Syrer, 24.200 Afghanen
- 2023: 14.800 Syrer, 31.100 Afghanen
- 2024: 16.200 Syrer, 11.500 Afghanen
Galibov warnt, dass die wachsende Belastung für Schulen, Krankenhäuser und Sicherheitskräfte auch politische Folgen zeige. Vor allem der Anstieg antisemitischer Vorfälle seit 2015 sei beunruhigend. In Frankreich, London und auch in Österreich selbst hätten Anschläge und Übergriffe gezeigt, wie stark extremistischer Islamismus mitten in Europa Fuß gefasst habe.
„Dort, wo man vorgibt, für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten, unterstützt man in Wahrheit die Feinde dieser Werte – und macht sich zum Komplizen von Terroristen“, mahnt der IKG-Vizepräsident. Europa solle aufhören, Israel mit erhobenem Zeigefinger zu belehren, und sich stattdessen den eigenen Herausforderungen stellen.
Seine Botschaft ist klar: Wenn Europa seine kulturellen Wurzeln nicht entschlossen verteidigt, droht der Kontinent nach Galibovs Einschätzung eine „Selbstzerstörung im Namen der Toleranz“.
