Der Benko-Krimi: Erster Prozess-Tag - spannende Stunden auch für seine Freunde aus der Politik

Für Rene Benko ist es eine Rückkehr, auf die er wohl gerne verzichtet hätte. Seine Karriere bis hin zum größten Immobilien-Tycoon Europas hatte 2004 mit dem Erwerb des Kaufhauses Tyrol in Innsbruck ihren Lauf genommen. Nur 500 Meter entfernt befindet sich das Straflandesgericht, indem sich der 48-jährige Ex-Signa-Boss am Dienstag und Mittwoch vor Richterin Andrea Wegscheider wegen betrügerischer Krida verantworten muss. Benko drohen zehn Jahre Haft.

Dabei geht es in der Anklage in Anbetracht der größten Wirtschaftspleite der Zweiten Republik nur um "Kleingeld". Die Wirtschafts-und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft dem Angeklagten vor, in Kenntnis der drohenden Insolvenz seines Imperiums noch Vermögenswerte in Höhe von 660.000 Euro zur Seite geschafft und somit die Masse der Gläubiger vorsätzlich geschmälert zu haben. Benko bestreitet dies, es gilt die Unschuldsvermutung.

Beim aktuellen Verfahren könnte es sich nur um den Auftakt zu einer Prozesslawine handeln. Vorwürfe gegen den einstigen Society-Liebling, der seine zahlreiche Freunde aus Wirtschaft und Politik jährlich beim herbstlichen Törggelen, dem Südtiroler Brauch mit Maroni-Essen und jungem Wein, um sich scharte, gehen auch in Richtung Betrug und Geldwäsche. Neben seinen eigenen Verfahren ist inzwischen auch Benkos Ehefrau (nicht rechtskräftig) angeklagt. Sie soll bei der Verschleierung der Vermögenswerte ihrem Mann aktiv geholfen haben - was sie zurückweist. Auch für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Mit Spannung wird die strafrechtliche Abwicklung der Signa auch von hochkarätigen Prominenten verfolgt, die sich einst im Glanze des Immobilien-Jongleurs sonnten, um ihn später kaum noch gekannt zu haben. Der Unternehmer baute sich ein illustres Netzwerk auf. In den Aufsichtsräten seiner Gesellschaften saßen unter anderen Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer, die Wüstenrot-Chefin und Ex-FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Hahn, der frühere Bank-Austria-Creditanstalt-Chef Karl Samstag, Ex-RBI-Chef Karl Sevelda sowie der französische Geschäftsmann Robert Peugeot und der Finanzvorstand der deutschen RAG-Stiftung, Jürgen-Johann Rupp.

Vor allem auf dem politischen Parkett galt Benko als äußerst geschickter Netzwerker. Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer dockte nach seiner politischen Karriere direkt bei der Signa an. In der Signa Prime Selection und der Signa Development AG fungierte er als Aufsichtsratschef, in der Signa Holding als Beirat. Mit einer Forderung über 6,3 Millionen Euro steht die "Gusenbauer Projektentwicklung und Beteiligung GmbH" in den Gläubiger-Listen des untergegangenen Imperiums.

Sebastian Kurz verzichtete auf Forderungen

Auch der doppelte Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) war ein großer Fan von Benko. Russlands Präsident Wladimir Putin stellte er den Innsbrucker Pleitier einst als "großen Unternehmer Österreichs" vor. Zutiefst verbunden holte Benko später die SK Management GmbH des Ex-ÖVP-Politikers an Bord. Als die Signa in Insolvenz ging, hatte das Kurz-Unternehmen noch Forderungen von 1,65 Millionen Euro offen. Der frühere Kanzler verzichtete generös.

Selbst die grüne Gallionsfigur schlechthin, der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer, war ein Geschäftspartner der Signa. Seine JF & Company GmbH half bei Berliner Aktivitäten des Tirolers, blieb aber auf 90.000 Euro Honorar sitzen und steht ebenfalls in der Gläubigerliste.

Die Dimensionen der Milliarden-Pleiten um Benkos Signa hat zuletzt noch einmal der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) aufgezeigt. In Österreich wurden demnach seit Ende 2023 Insolvenzverfahren über das Vermögen von 156 Gesellschaften eröffnet – 138 Verfahren in Wien und 18 Verfahren beim Landesgericht Innsbruck. Allein heuer seien es 99 Insolvenzverfahren gewesen.