Mercer-Studie: Österreichs Pensionssystem auf schlechtem Platz 38
Der neue Mercer Global Pension Index zeigt: Österreichs Altersvorsorge ist kaum zukunftsfähig. Hohe Pensionen sichern heute noch den Lebensstandard vieler Ruheständler – doch langfristig ist das System alles andere als stabil. Besonders die fehlende Nachhaltigkeit macht Sorgen.
Der internationale Vergleich der Altersvorsorgesysteme, durchgeführt von der Beratungsgesellschaft Mercer in Kooperation mit dem CFA Institute und der Monash University in Australien, hat 48 Länder untersucht. Bewertet wurden mehr als 50 Kriterien – von der Höhe der Leistungen über die Finanzierung bis hin zu Aufsicht und Transparenz.
Während Länder wie die Niederlande, Island und Dänemark mit mehr als 80 Punkten an der Spitze stehen, liegt Österreich mit 53,4 Punkten auf Platz 38 – also im hinteren Drittel des Rankings. Damit zählt das heimische Pensionssystem zu den schwächsten Europas. Schon 2023 hatte Mercer gewarnt, dass Österreich eines der „am wenigsten nachhaltigen Systeme“ unter den OECD-Staaten betreibe.
Das Ranking beruht auf drei Teilbereichen: Angemessenheit (40 Prozent Gewichtung), Nachhaltigkeit (35 Prozent) und Integrität (25 Prozent). Während die Angemessenheit – also die aktuelle Rentenhöhe – in Österreich noch relativ gut bewertet wird, fällt das Land bei Nachhaltigkeit und Integrität deutlich ab. Die Gutachter kritisieren, dass zu wenig Kapital aufgebaut, zu stark auf staatliche Zuschüsse gesetzt und zu wenig Transparenz im System herrsche.

Hohe Pensionen – aber auf Pump
Tatsächlich sind die Pensionen in Österreich im europäischen Vergleich hoch. Die durchschnittliche Bruttopension beträgt rund 1646 Euro pro Monat – fast 50 Prozent mehr als in Deutschland, wo sie bei etwa 1120 Euro liegt. Finanziert wird das jedoch weitgehend über das Umlageverfahren und über Zuschüsse aus dem Bundesbudget. Diese Zuschüsse wachsen jedes Jahr weiter: 2024 mussten bereits mehr als 26 Milliarden Euro an Steuergeld in die Pensionskassen fließen, Tendenz steigend.
Der Aufwand für Pensionen verschlingt laut Statistik Austria rund 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit liegt Österreich europaweit im Spitzenfeld – allerdings nicht im positiven Sinn. Zum Vergleich: In den Niederlanden, dem Spitzenreiter des Mercer-Index, beträgt die staatliche Quote weniger als halb so viel. Das niederländische System kombiniert eine solide Grundsicherung mit kapitalgedeckten Betriebs- und Privatpensionen, die langfristig deutlich stabiler sind.
In Österreich hingegen stützt sich das System fast ausschließlich auf die gesetzliche Säule. Betriebliche und private Vorsorge spielen eine geringe Rolle. Das macht das Land besonders anfällig für demografische Veränderungen. Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Pensionisten aufkommen. Schon heute ist das Verhältnis bei rund 1,8 zu 1 – bis 2040 dürfte es auf 1,4 zu 1 sinken.
Wirtschaftsforscher wie Peter Brandl fordern deshalb eine grundlegende Neuausrichtung: „Wenn das Pensionssystem so weiterläuft, werden die Jungen doppelt zahlen – zuerst für die Alten, und später für sich selbst mit deutlich geringerer Leistung.“
Zwar diskutiert die Politik immer wieder über eine Stärkung der zweiten und dritten Säule, doch konkrete Maßnahmen bleiben aus. Selbst die betriebliche Vorsorge, wie sie in vielen EU-Ländern Standard ist, spielt in Österreich nur für wenige Beschäftigte eine Rolle.
Laut Mercer wäre ein „stärkerer Mix aus staatlicher, betrieblicher und privater Vorsorge“ der Schlüssel zu einem stabileren System. Dafür müsste die Regierung allerdings steuerliche Anreize schaffen und gleichzeitig die Abgabenlast senken, um Spielraum für Eigenvorsorge zu schaffen.
Österreichs Pensionssystem steht damit an einem Wendepunkt. Heute noch ein Garant für vergleichsweise hohe Alterseinkommen, droht es in den kommenden Jahrzehnten unter seiner eigenen Last zusammenzubrechen. Der Mercer-Index liefert den Weckruf – jetzt muss die Politik ihn hören.