Josef Grünwidl wird neuer Erzbischof von Wien – ein Seelsorger mit Bodenhaftung

Die Erzdiözese Wien hat einen neuen Erzbischof - er hätte "nach einigem Zögern" dann doch zugesagt, meinte Josef Grünwidl.

Nun ist es offiziell: Der Vatikan hat am Freitagmittag die Ernennung von Josef Grünwidl zum neuen Erzbischof von Wien bestätigt. Damit tritt der 62-jährige Niederösterreicher die Nachfolge von Kardinal Christoph Schönborn an, der im Jänner 2024 in den Ruhestand getreten war. Bereits seit dem 22. Jänner leitete Grünwidl als Apostolischer Administrator interimistisch die Erzdiözese Wien – eine Phase, in der er sich, wie die katholische Presseagentur Kathpress berichtet, als „seelsorglich geerdeter Leiter, geschätzter Prediger und verständiger Gesprächspartner“ profiliert habe.

Bevor Grünwidl sein Amt offiziell antreten kann, steht jedoch noch ein entscheidender Schritt bevor: Da er bisher kein Bischof ist, muss er zunächst geweiht werden. Diese Weihe soll voraussichtlich im Jänner 2026 stattfinden – vermutlich durch seinen Amtsvorgänger Kardinal Schönborn. Traditionell wird in Wien zur Ernennung des Erzbischofs die berühmte Pummerin im Stephansdom geläutet.

Nach "einigem Zögern" doch Ja gesagt

In einer Videobotschaft, die die Erzdiözese am Freitag veröffentlichte, zeigte sich Grünwidl bewegt. „Ich habe nach einigem Zögern nun wirklich aus ganzem Herzen Ja zu dieser Aufgabe gesagt“, erklärte er. Das Amt sei eine „große und herausfordernde Aufgabe“, doch die vergangenen neun Monate als Administrator hätten ihm geholfen, in diese Verantwortung hineinzuwachsen. Besonders betonte er, dass ihn der Glaube an die Bedeutung der Kirche auch in schwierigen Zeiten trage: „Die Kirche wird nicht weniger wichtig für die Menschen, nur weil sie kleiner wird. Wenn sie das Evangelium lebt, bleibt sie richtig und notwendig.“

Sein persönliches Motiv für die Annahme des Amts beschrieb Grünwidl schlicht: „Gott braucht mich nicht perfekt, sondern verfügbar.“ Dieses Vertrauen in die göttliche Führung sei in den Monaten seiner Übergangszeit gereift. Er habe sich auch ermutigt gefühlt, weil viele Gläubige an ihn herangetreten seien und ihn gebeten hätten, Verantwortung zu übernehmen.

Grünwidl gilt als dialogorientiert

Der künftige Erzbischof gilt als volksnah, humorvoll und dialogorientiert, berichtet dazu der ORF. Er will Brücken bauen – zwischen Gläubigen und Suchenden, zwischen Kirche und Gesellschaft. Besonders die Zusammenarbeit mit Pfarren, die Begegnungen im Alltag sowie der ökumenische und interreligiöse Austausch liegen ihm am Herzen.

Inhaltlich gilt Grünwidl als Vertreter eines modernen Katholizismus. Er war Mitglied der reformorientierten „Pfarrerinitiative“ und sprach sich wiederholt für strukturelle Veränderungen in der Kirche aus – etwa für eine Diskussion über den Pflichtzölibat. Damit zeigt er eine Offenheit, die im Vatikan nicht immer auf Zustimmung stößt, die ihm in Österreich jedoch viel Sympathie eingebracht hat.

Josef Grünwidl wurde 1963 im niederösterreichischen Hollabrunn geboren und wuchs im nahegelegenen Wullersdorf auf. Nach der Matura am erzbischöflichen Aufbaugymnasium trat er 1981 ins Wiener Priesterseminar ein und studierte Theologie an der Universität Wien sowie Orgel an der Musikuniversität. 1988 empfing er die Priesterweihe durch Kardinal Franz König – eine Entscheidung, die er als bewussten Weg „vom Musiker zum Seelsorger“ beschreibt.

Die Erzdiözese Wien, eine der ältesten und bedeutendsten Diözesen Europas, umfasst 1,1 Millionen Katholiken. Mit Josef Grünwidl übernimmt ein Mann das Amt, der sich als bodenständiger Seelsorger, erfahrener Organisator und Brückenbauer versteht, schreibt die Erzdiözese in ihrer Aussendung.