Sarkozy tritt seine Haftstrafe an - die Zelle ist neun Quadratmeter groß
Ein politischer Absturz von historischem Ausmaß: Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy tritt heute, Dienstag, seine Haftstrafe im Pariser Gefängnis La Santé an – und ist damit der erste französische Ex-Staatschef der Nachkriegszeit, der tatsächlich hinter Gittern landet. Sarkozy, einst Symbol politischer Macht und Eleganz, bezieht nun eine schlichte, neun Quadratmeter große Einzelzelle, berichten die Agenturen dpa und AFP.
Das Gefängnis La Santé, mitten in Paris gelegen, wurde in den vergangenen Jahren modernisiert und verfügt über einen gesonderten Trakt für sogenannte „schutzbedürftige Personen“. Hier werden prominente oder gefährdete Häftlinge untergebracht – darunter Polizisten, Kronzeugen oder Politiker, die besondere Sicherheitsvorkehrungen benötigen. In diesem Bereich wird auch Sarkozy seine Strafe absitzen, weitgehend isoliert von anderen Insassen. Seine Zelle ist karg eingerichtet: ein schmales Bett, ein kleiner Schreibtisch, ein Fernseher, eine Dusche und ein Mini-Kühlschrank. Luxus sucht man vergeblich.
Das Urteil gegen Sarkozy war am 25. September gefällt worden. Das Pariser Gericht sah es als erwiesen an, dass der 70-Jährige in der sogenannten Libyen-Affäre illegale Wahlkampffinanzierung angenommen hatte. Laut den Richtern soll Sarkozy über Mittelsmänner Geld aus dem Umfeld des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi erhalten haben, um seinen Wahlkampf 2007 zu finanzieren. Die Beweise – darunter Zeugenaussagen und Finanzspuren – wertete das Gericht als erdrückend. Die Strafe: fünf Jahre Haft, davon zwei auf Bewährung, und sofortige Vollstreckung.
Zwar hat Sarkozy Berufung eingelegt, doch wegen der „Schwere der Taten“ entschieden die Richter, dass er den Haftantritt nicht bis zum Berufungsverfahren hinauszögern darf. Erst nach Beginn seiner Haft kann er eine Hafterleichterung beantragen – etwa den Vollzug mit elektronischer Fußfessel oder Hausarrest. Eine Entscheidung darüber könnte jedoch Wochen dauern.
Mit Büchern über Politik und Philosophie in der Zelle
Der einst glamouröse Politiker, der von 2007 bis 2012 im Élysée-Palast regierte, lebt seit Jahren mit seiner Frau, der Sängerin und früheren Model-Ikone Carla Bruni, in einer Villa im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine. Bruni, die sich bislang loyal und kämpferisch zeigte, nannte das Urteil auf Instagram „ungerecht und unmenschlich“. Freunde des Paares berichten, Sarkozy habe sich „mit eiserner Disziplin“ auf die Haft vorbereitet und nehme Bücher über Politik und Philosophie mit in die Zelle.
Das Paradoxe: Sarkozy gilt weiterhin als eine der prägenden Figuren der französischen Rechten. Trotz zahlreicher Verfahren – von der Libyen-Affäre bis zur sogenannten „Abhöraffäre“ – pflegt er enge Kontakte zu führenden Politikern der konservativen Partei Les Républicains. Viele Weggefährten sprechen von einem „politischen Märtyrer“, andere von einem „Symbol des moralischen Verfalls der Eliten“.