Deutscher General warnt: Russland bereitet sich schon auf den nächsten Krieg vor
Generalleutnant Sollfrank (drei Sterne) ist einer der ranghöchsten Offiziere der Bundeswehr, als Chef des Operativen Führungskommandos ist er quasi der oberste "Einsatzleiter" der Truppe, sein Wort hat Gewicht. Für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist Sollfrank einer er wichtigsten militärischen Ansprechpartner.
Jetzt lässt der Offizier aufhorchen: In einem Interview mit der "New York Times" warnt er vor der Überlegenheit des russischen Militärs. Während in der Ukraine jeden Tag weiter gekämpft werde, sei Russland längst in der Lage, sich auf den nächsten Krieg vorzubereiten. Moskau baue seine Landstreitkräfte wieder auf, Präsident Wladimir Putin formiere im Hintergrund eine neue, noch stärkere Armee. "Die Russen rekrutieren ihre Streitkräfte, selbst während sie angreifen. Sie lernen. kontinuierlich", sagte Sollfrank.
Westen streit über Geld und Waffenhilfen
Während der Westen über Geld und Waffenhilfen streite, nutze Putin die Zeit: Die russische Armee sei dabei, Reserven und Nachschubkräfte aufzubauen, moderne Waffen zu entwickeln – und ihre Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg in neue Taktiken umzusetzen.
Sollfrank warnt: Wenn Europa nicht endlich entschlossener handele, drohe ein gefährliches Kräfteungleichgewicht. "Wir müssen die Ukraine mit allem unterstützen, was sie braucht, um den russischen Druck zu reduzieren." Während Europa noch plane, schaffe Putin längst Fakten. Seine Armee rekrutiere, produziere, modernisiere. Die Front in der Ukraine sei festgefahren, aber Russlands Kriegsindustrie laufe heiß – und das mitten im laufenden Krieg.
Der Generalleutnant wiederholte die Forderung nach einer "Kriegstüchtigkeit" der Bundeswehr, die in den nächsten Jahren um 60.000 Mann aufgestockt werden soll: "Frieden ist nichts, das einfach da isst. Man muss dafür arbeiten", sagte er zur NYT. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs habe sich in Europa das Recht über die Macht durchgesetzt: "Wenn Russland erfolgreich ist, sind diese Errungenschaften vorbei", so Sollfrank.