Chip-Krise - bei VW und anderen deutschen Autoherstellern droht Produktions-Stopp
Die deutsche Autoindustrie steht erneut am Rand einer gewaltigen Krise – und diesmal liegt der Grund nicht in sinkender Nachfrage oder fehlenden Fachkräften, sondern in einem geopolitischen Machtkampf zwischen den USA und China. Der Streit um den Halbleiterhersteller Nexperia bringt die gesamte Lieferkette ins Wanken. Laut den Informanten der deutschen BILD besonders betroffen: Volkswagen, Europas größter Autobauer, der bereits Kurzarbeit und Produktionsstopps vorbereitet.
Wie aus Kreisen der Zulieferindustrie bekannt wurde, könnte bereits in den kommenden Tagen das Band im Stammwerk Wolfsburg stillstehen – dort, wo die Modelle Golf und Tiguan produziert werden. Offiziell spricht der Konzern von einer planmäßigen Inventur. Doch hinter vorgehaltener Hand heißt es, die Inventur sei vorgezogen worden, um wertvolle Chip-Bestände zu schonen.
Produktions-Einschränkungen in zwei Wochen?
Der Auslöser liegt weit entfernt: Nexperia, einst eine Tochter von Philips, wurde 2019 vom chinesischen Technologiekonzern Wingtech übernommen. Nachdem die Niederlande – auf Druck der USA – die Kontrolle über das Unternehmen zurückerlangten, reagierte Peking mit Exportverboten. Seitdem steht ein Teil der Produktion still. Da Nexperia jährlich Milliarden sogenannter „Standardchips“ herstellt – im Fachjargon „Hühnerfutter“ genannt –, spüren nun zahlreiche Industriezweige die Folgen.
Laut internen Schätzungen könnte die deutsche Autoindustrie in spätestens zwei Wochen massiv betroffen sein. Sollte keine Lösung gefunden werden, droht eine europaweite Produktionskrise, deren Auswirkungen auch die USA treffen könnten.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt seit Tagen vor den Folgen. Präsidentin Hildegard Müller erklärte, die Situation könne „in naher Zukunft zu erheblichen Produktionseinschränkungen oder gar kompletten Stillständen führen“, wenn Nexperia die Versorgung nicht wieder aufnehmen könne. Auch BMW und Mercedes-Benz beobachten die Lage genau – doch konkrete Maßnahmen nennt derzeit kein Hersteller.
Für Volkswagen kommt die Chipkrise zur Unzeit. Der Konzern kämpft ohnehin mit Absatzproblemen in China und den USA, während hohe Investitionen in Elektromobilität und Software die Bilanzen belasten. Finanzchef Arno Antlitz hatte intern gewarnt, dass das Unternehmen allein im kommenden Jahr rund elf Milliarden Euro an Liquidität benötige, um geplante Projekte zu sichern. Ein länger anhaltender Produktionsstopp könnte diese Planung gefährden.
Auch andere Branchen betroffen
Doch die Folgen reichen weit über die Autobranche hinaus. „Nexperia produziert keine Hochleistungschips wie Nvidia oder Qualcomm, sondern einfache Steuerchips – etwa für Autotüren, Kaffeemaschinen oder Waschmaschinen“, erklärt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut. „Fällt diese Massenproduktion aus, trifft das nicht nur VW oder Mercedes, sondern praktisch jede moderne Industrieproduktion.“
Noch hoffen die Unternehmen auf eine diplomatische Lösung zwischen Peking, Washington und Den Haag.