Alarmierende Armut: Zahl der Wiener Sozialmarkt-Kunden in fünf Jahren verdoppelt

Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander: Auf der einen Seite die Wohlhabenden, die allein im vergangenen Jahr 34 Milliarden Euro Erspartes auf die hohe Kante legen konnten oder jene, denen es auf Steuerzahlerkosten vergleichsweise prächtig geht, auf der anderen jene, die sich auch aufgrund explodierender Kosten nicht mal mehr ihr tägliches Essen leisten können - die Bundesregierung müsste alarmiert sein.

Die Wiener Sozialmärkte können ein Lied vom herrschen Ungleichgewicht singen, die Einrichtungen werden immer wichtiger. Kein gutes Zeichen für den Sozialstaat Österreich, wenn Pensionisten, die teils ihr Leben lang gearbeitet haben oder alleinerziehende Mütter um Brot, Butter, Nudeln, Reis oder ein Stück Wurst anstehen müssen., weil sie es sich aus eigener Kraft nicht mehr leisten können.

200.000 Hilfsbedürftige nutzen die Sozialmärkte

Der Andrang ist in Wien so groß geworden, dass die örtlichen Sozialmärkte selbst längst an ihre Grenzen gestoßen sind. Die Regalreihen lichten sich, während die Kundschaft ständig ansteigt. 100.000 Mitglieder haben die Sozialmärkte inzwischen, doppelt so viele wie noch 2020. Ebenfalls 100.000 Mitglieder zählen die neun Foodpoint-Sozialmärkte des Vereins Start Up. Vor fünf Jahren waren es noch 14.000.

Noch kann das Netzwerk mit den Spenden aus Lebensmittelmärkten und Unternehmen die Nachfrage bedienen, doch die Menge der gespendeten Waren wird aufgrund knapperer Kalkulationen in den regulären Lebensmittel-Märkten weniger.

Aktuell lieferte das Rote Kreuz bei seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag besorgniserregend Zahlen: Bei der Gründung der "Team Österreich Tafel" im Jahr 2010 habe es jährlich 600.000 Abholungen an den Ausgabestellen gegeben, inzwischen seien es 1,1 Millionen, erklärte Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer. Er warnte davor, "auf Kosten der Menschlichkeit" zu sparen.

Einkaufen im Sozialmarkt ist nur denjenigen gestattet, deren Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt. Diese Grenze wird von der Armutskonferenz festgelegt. Sie liegt aktuell bei 1661 Euro im Monat. Vor 18 Jahren, als der erste Sozialmarkt in Wien öffnete, lag die Grenze bei rund 700 Euro.