ZDF: Wirbel um ersten katholischen TV-Gottesdienst für queere Christen

Der Live-Gottesdienst jeden Sonntag im ZDF ist ein Dauerbrenner mit begeistertem Millionen-Publikum. Doch diesmal ist die Resonanz gespalten. Die katholische Kirche feierte die erste queere Fernseh-Messe für Homosexuelle und Trans-Personen.

Katholische und evangelische Kirche wechseln sich sonntags mit dem TV-Live-Gottesdienst ab. Auch in Zeiten wie diesen sitzen morgens um 9.30 Uhr Millionen gläubiger Christen in Deutschland vor dem Fernseher und schalten das ZDF ein.

Dabei gehen die Fernsehmacher durchaus ungewöhnliche Wege. Großen Anklang fand beispielsweise der Feldgottesdienst zu Weihnachten bei den Soldaten der Bundeswehr in Litauen. Spannende Bilder, gelungene Botschaften, gute Kritiken.

Doch diesmal ist alles anders. Wie die zahlenmäßig etwa gleich starken Katholiken und Protestanten die Bundesrepublik in Glaubensfragen spalten, gehen zum jüngsten Fernseh-Gottesdienst die Meinungen auseinander. Erstmals nach 25 Jahren übertrug der Sender eine Heilige Messe von und für schwule, lesbische, diverse und transsexuelle Christen. Ein gewollter Tabu-Bruch, der für Wirbel sorgt.

Dass es ausgerechnet die katholische Kirche war, die das christliche Coming-In aus der St. Anna-Kirche im westfälischen (tief katholischen) Münster übertrug und nicht die als liberaler geltende evangelische Kirche, erhitzte die Gemüter zusätzlich. "Was hat das mit unserem Glauben zu tun?", fragte eine entsetzte Katholikin in den sozialen Netzwerken.

Auch Drohungen im Web

Ein ganze Menge, finden dagegen die gläubigen Mitglieder der Queergemeinde Münster:„Für uns als Queergemeinde Münster ist das ein riesiger Moment: Zum ersten Mal wird ein Queergottesdienst im Fernsehen gezeigt!“, schrieb die Gruppe auf Instagram. „Seit über 25 Jahren schaffen wir Raum für queeren Glauben, Akzeptanz und Gemeinschaft – und jetzt dürfen wir diese Botschaft mit ganz Deutschland teilen.“

Das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner aus dem Lukasevangelium habe die klare Botschaft: „Sei du selbst, stehe zu Dir! Sei so, wie du bist, unterwegs!“, sagte Pfarrer Karsten Weidisch in seiner Predigt. Das Motto des Gottesdienstes „Wer bin ich – für dich?“ nimmt eine Aussage des verstorbenen Papsts Franziskus auf. Auf die Frage zum Umgang der Kirche mit homosexuellen Menschen hatte er geantwortet: „Wer bin ich, ihn zu verurteilen?“

Schon im Vorfeld hatte der Gottesdienst in der Bischofsstadt Münster für einiges an Aufregung gesorgt. Konservative Katholiken protestierten dagegen, mehr oder minder versteckte Drohungen kursierten im Internet. Der TV-Gottesdienst musste nach Angaben der Veranstalter unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt werden.