Vorbild Schweden? Skandinavier planen Gefängnisse für 13-jährige Straftäter

Schweden leidet unter der Schwerkriminalität von Jugendbanden, die immer wieder Strafunmündige für Gewaltverbrechen einsetzen, um die Justiz auszutricksen. Damit soll Schluss sein, es kommen eigene Gefängnisse für die jungen Verbrecher. Ein Vorbild?

Noch sind die Verhältnisse nicht vergleichbar, doch es gibt Parallelen. Wie in Schweden gehört auch in Österreich die rasant steigende Jugendkriminalität zu den größten Problemen der Sicherheitsbehörden. Doch während in Stockholm marodierende Banden auch Morde begehen, beschränken sich in Wien und anderen Großstädten des Landes jugendliche Straftäter (noch) auf Diebstahl, Raub, Körperverletzung.

Die Zahl der Anzeigen gegen Täter im Alter zwischen 10 und 14 jähren hat in Österreich massiv zugenommen. Seit 2014 ist sie innerhalb von nur zehn Jahren von 6311 Delikten auf 9730 gestiegen. Schlagzeilen von Bandenkriminalität in Wien haben die Bevölkerung verunsichert, Fälle wie die einer vergewaltigten Lehrerin durch Mitglieder der sogenannten "Liesing-Bande" für Entsetzen gesorgt. "Die Gewaltbereitschaft der jungen Straftäter nimmt ebenfalls zu", heißt es aus dem Innenministerium.

Besonderes Augenmerk legt eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe im Bundeskriminalamt auf minderjährige Intensivtäter, die es quer durchs Strafgesetzbuch schon auf mehr als 200 Delikte gebracht haben. "Systemsprenger" nennen Ermittler die Nachwuchs-Kriminellen.

In aller Regelmäßigkeit wird nach Bekanntwerden besonderer Fälle von Jugendkriminalität über die Herabsetzung der Strafmündigkeit diskutiert. Ebenso regelmäßig verschwinden entsprechende Vorschläge wieder in den Schreibtisch-Schubladen zuständiger Politiker.

Anders in Schweden. Dort ist für die liberal-konservative Regierung das Ende der Fahnenstange erreicht. Aufgrund der steigenden Zahlen Minderjähriger, die von Banden für Überfälle, Schießereien und Morde rekrutiert werden, soll die Strafmündigkeit für schwere Verbrechen deutlich gesenkt werden. Gegenwärtig liegt sie bei 16 Jahren, in Österreich bei 14. Dies sei für den Schutz der Gesellschaft wichtig, aber auch, um Kinder aus der Kriminalität zu holen, erklärte Justizminister Gunnar Stromer.

Die Skandinavier gehen sogar einen Schritt weiter: Schon in der Vergangenheit hatte die Regierung die schwedische Strafvollzugsbehörde beauftragt, eigene Abteilungen in Jugendanstalten für 15- bis 17-Jährige zu schaffen. Jetzt wird das Konzept auf 13- und 14-Jährige ausgeweitet.

Schon ab dem kommenden Sommer sollen die ersten jugendlichen Gangster hinter Gittern weggeschlossen werden.