Wo überleben wir am besten eine globale Krise? In der Schweiz - Österreich nur auf Platz 14

Wenn das totale Chaos ausbricht: In welchen Nationen könnten wir am besten überleben? Die neue Studie von Henley und Partners liefert dazu eine Rangliste.

Was passiert, wenn die Welt plötzlich ins Wanken gerät – durch Krieg, Wirtschaftskollaps oder Klimakatastrophen? Eine neue globale Rangliste zeigt, welche Länder eine solche Krise am besten überstehen würden. Überraschend: Die USA, einst Symbol für Stärke und Sicherheit, schneiden schlecht ab. Ganz oben hingegen steht – wenig überraschend – die Schweiz.

Die erstmals veröffentlichte Studie stammt von der internationalen Beratungsfirma Henley & Partners, die sich auf Staatsbürgerschaften und sogenannte „Golden Visa“ spezialisiert hat. Ihr Vorsitzender, der Schweizer Christian Kälin, beschreibt die Lage in einem aktuellen Bericht der NZZ drastisch: „Die Welt befindet sich in einem darwinistischen Wettlauf. Doch wie in der Natur sind es nicht die Stärksten, sondern die Anpassungsfähigsten, die überleben.“

Tatsächlich beobachten Experten seit Jahren eine stille, aber wachsende Flucht der Reichen. Immer mehr Millionäre und Unternehmer verlagern ihren Wohnsitz in Länder, die sie im Krisenfall als sicherer einschätzen. Vor diesem Hintergrund hat Henley & Partners gemeinsam mit dem Singapurer Analyseinstitut Alphageo ein umfassendes Risiko- und Resilienz-Rating entwickelt. Es misst nicht militärische Stärke, sondern die Fähigkeit eines Landes, auf globale Erschütterungen flexibel zu reagieren.

An der Spitze des Rankings: die Schweiz. Sie punktet mit politischer Stabilität, Rechtssicherheit, Wohlstand und geringen klimatischen Risiken. Doch selbst dieser Erfolg hat seine Tücken: „Im Krisenfall könnte der massive Kapitalzufluss eine gefährliche Aufwertung des Frankens auslösen“, warnt Alphageo-Gründer Parag Khanna. Der Politikwissenschaftler, der an der London School of Economics promoviert hat, gilt als einer der führenden Denker einer neuen, unruhigen Weltordnung.

Europa insgesamt schneidet im Vergleich zur übrigen Welt ganz gut ab. Neun der zehn bestplatzierten Länder stammen vom alten Kontinent – einzig Singapur durchbricht diese Phalanx auf Rang vier. Laut Khanna ist der europäische Pessimismus übertrieben: „Trotz geringerem Wachstum besitzt Europa enorme innere Stärke – von der Bildung über die Institutionen bis hin zur Lebensqualität.“ Disruption sei kein Wert an sich, betont er, sondern müsse „dem Gemeinwohl dienen, nicht nur dem Kapital“.

Deutschland nur auf Platz 10

Auffällig ist auch: Kleinere Länder schneiden besser ab als große. Sie seien beweglicher, könnten schneller reagieren und politische Entscheidungen effizienter umsetzen. Deutschland schafft es als größter Staat in den Top Ten gerade noch auf Platz zehn, dank stabiler Finanzen und solider Institutionen, aber mit deutlichem Investitionsrückstand in der Infrastruktur. Frankreich hingegen landet nur auf Platz 29, geplagt von hohen Schulden und sozialer Spannung.

Vier Plätze dahinter dann Österreich: An Chaos-Tagen wird Berlin mehr als der Bundesregierung in Wien vertraut. Aus bekannten Gründen. Luxemburg und Grönland liegen in der Wertung weit besser, dafür ist Italien auf Platz 44 deutlich abgeschlagen.

Und die USA? Sie rutschen auf Rang 32 ab. Zwar dominieren sie weiterhin die globale Agenda, doch hinter der Fassade der Supermacht sieht es düster aus: schwacher sozialer Zusammenhalt, marode Infrastruktur, hohe Verschuldung und große Klimarisiken. „Macht allein schützt nicht vor Zerfall“, urteilt Khanna nüchtern.

China, der geopolitische Rivale, liegt nur wenige Plätze dahinter auf Rang 49. Zwar punktet das Land mit wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit, doch der Mangel an Rechtssicherheit und politische Willkür mindern seine Stabilität. Indien dagegen stürzt tief ab – auf Platz 155. Extreme Klimarisiken, soziale Ungleichheit und ein schwacher Rechtsstaat bremsen das Potenzial des bevölkerungsreichsten Landes der Welt.

Christian Kälin fasst das Ergebnis zusammen: „Wir erleben überlappende Schocks – Handelskriege, technologische Revolutionen, Klimaveränderungen. Die entscheidende Frage lautet: Wer kann sich anpassen?“ Anpassungsfähigkeit, nicht Macht, sei der Schlüssel zur Zukunft. Und wer sich in unsicheren Zeiten ein sicheres Zuhause wünscht, sollte laut Ranking wohl eher nach Zürich als nach New York blicken.

Grafik Ranking Krise
Credit: Screenshot

Der Bericht über dieses Ranking ist vorab in der NZZ erschienen: Risikorangliste: In welchen Ländern Sie Krisen am besten überstehen