Der Baustoffhändler Quester befindet sich laut mehreren Medienberichten in einer finanziell angespannten Lage. Wie die Onlineausgabe der Zeitung Heute berichtete, könne die Auszahlung der Oktober-Gehälter an die rund 290 Beschäftigten vorerst nicht erfolgen.
Das Unternehmen, das 1934 gegründet wurde und sich nach dem Krieg zu einem der führenden Baustoffhändler Österreichs entwickelte, schrieb zuletzt tiefrote Zahlen. Laut Firmenbuch betrug der Verlust 2023 sieben Millionen Euro, im Jahr darauf bereits 15 Millionen Euro. Der Umsatz hat sich innerhalb von zwei Jahrzehnten auf 130 Millionen Euro halbiert.
„Es stimmt, dass sich Quester aktuell in einer angespannten Situation befindet“, bestätigte die Unternehmensführung gegenüber Heute. „Derzeit werden unterschiedliche Szenarien geprüft, zu denen wir noch keine konkreten Informationen geben können.“
Mehrere Eigentümerwechsel, wenig Stabilität
Seit 2005 wechselte Quester dreimal den Eigentümer. Nach der irischen CRH-Gruppe übernahm 2019 die niederländische BME-Gruppe, ehe der Betrieb im Juni 2025 an den deutschen Sanierungsspezialisten Callista Private Equity ging. Dessen Manager Martin Blaumoser erklärte gegenüber dem Kurier, man befinde sich „in einer herausfordernden Situation“. Das Management prüfe „verschiedene Handlungsoptionen“ und bewerte diese sorgfältig.
Noch im September hatte Quester in Wien-Döbling einen neuen Fliesen-Flagship-Store eröffnet – ein spätes Symbol für Expansionswillen in schwierigen Zeiten.

Österreichs Pleitenjahr 2025
Die Krise bei Quester kommt in einem Jahr, das für die heimische Wirtschaft besonders bitter verläuft. Laut KSV1870 verzeichnete Österreich bis Ende Oktober rund 7.000 Unternehmensinsolvenzen – der höchste Stand seit fast zwei Jahrzehnten.
Zu den prominentesten Fällen zählen die Linzer Chemiefirma ESIM, die Papierherstellerin Lenzing-Tochter Pura, die Modekette Fussl, das Salzburger Bauunternehmen Mayr Melnhof Holzbau sowie die Wiener Gastronomiekette Vapiano Austria. Besonders betroffen sind Bauwirtschaft, Handel und Tourismus.
Branchenvertreter warnen seit Monaten vor einer gefährlichen Kettenreaktion: steigende Zinsen, hohe Energiekosten und ein Rückgang bei privaten Bauprojekten belasten die Margen massiv. „Viele Unternehmen kämpfen nicht mehr um Gewinn, sondern ums Überleben“, heißt es aus der Wirtschaftskammer.
Quester als Symbol einer Branche
Die Krise des Traditionsunternehmens steht exemplarisch für die Probleme im Bau- und Baustoffsektor: ein überhitzter Markt, sinkende Nachfrage, steigende Finanzierungskosten. Sollte Quester tatsächlich Insolvenz anmelden müssen, wäre das nicht nur ein Schlag für die Branche, sondern auch ein weiterer Mosaikstein in einem Krisenjahr, das Österreichs Mittelstand nachhaltig verändert.