Heimische Opfer, fremde Täter: Das fehlende Puzzlestück in Österreichs Kriminalstatistik

Deutschland zählt über eine Million Opfer durch Straftäter aus Asylländern – in Österreich weiß niemand, wie viele es sind, weil solche Daten gar nicht erhoben werden.

Während Deutschland inzwischen detailliert auswertet, wie viele Straftaten von Zuwanderern aus den wichtigsten Asylländern begangen werden, herrscht in Österreich statistische Dunkelheit. Eine Auswertung der deutschen Polizeilichen Kriminalstatistik zeigt: Zwischen 2015 und 2024 wurden 938.000 Menschen Opfer von Tatverdächtigen aus den zehn wichtigsten Flüchtlingsherkunftsländern – darunter Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia und Iran. Mehr als die Hälfte dieser Opfer waren Deutsche.

In Österreich ist eine solche Zahl nicht einmal annähernd bekannt. Das Bundeskriminalamt führt zwar jährlich eine umfangreiche Statistik über Tatverdächtige, Delikte und Opfer, doch eine Verbindung dieser Daten existiert nicht. Wer in Österreich Opfer eines Syrers, Afghanen oder Irakers wurde, bleibt unbekannt.

Bekannt ist nur, dass die Zahl der Tatverdächtigen insgesamt stark gestiegen ist. 2024 wurden in Österreich 335.911 Tatverdächtige ermittelt, davon 157.058 ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Das entspricht einem Anteil von 46,8 Prozent. 2015 waren es noch 37 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das einen Anstieg nichtösterreichischer Tatverdächtiger von rund 92.800 auf über 157.000. Damit ist fast jeder zweite Verdächtige in Österreich ein Ausländer. Eine Unterscheidung nach Aufenthaltsstatus – also ob Asylwerber, anerkannte Flüchtlinge oder Touristen – erfolgt nicht.

Die Statistik zeigt immerhin, aus welchen Staaten die meisten nichtösterreichischen Tatverdächtigen stammen. 2024 lagen Rumänien (18.926), Deutschland (13.632) und Syrien (11.868) an der Spitze, gefolgt von Serbien (11.688), Türkei (9.688) und Afghanistan (9.248). Dahinter folgen Slowakei, Ungarn, Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Auffällig ist die Zunahme jener Herkunftsländer, aus denen in den vergangenen Jahren besonders viele Asylsuchende nach Österreich kamen.

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Deutlich wird die Entwicklung auch bei Jugendlichen. In der Altersgruppe von zehn bis vierzehn Jahren lag der Ausländeranteil unter den Tatverdächtigen 2024 bei 48,2 Prozent, bei den 14- bis 18-Jährigen bei 39,8 Prozent. Fast jeder zweite jugendliche Verdächtige hat damit keinen österreichischen Pass. Die Polizei führt diese Entwicklung auf soziale Faktoren zurück, Kritiker sehen darin auch das Resultat einer Integrationspolitik, die überfordert ist.

Keine Opferdaten – keine Debatte

In Österreich fehlen solche Angaben völlig. Das Innenministerium erfasst nur die Staatsangehörigkeit der Opfer selbst – also ob sie Österreicher oder Ausländer sind. Laut Bundeskriminalamt waren 2023 rund 34 Prozent aller Opfer nichtösterreichische Staatsbürger. Die Opferquote lag bei 0,8 Prozent für Österreicher, 1,8 Prozent für Ausländer und 3,4 Prozent für Menschen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Doch welche Täter dahinterstehen, bleibt unerfasst.

Damit fehlt ein zentrales Puzzlestück für eine ehrliche Analyse. Niemand kann sagen, wie viele Österreicher Opfer von Gewalttaten durch Zuwanderer wurden. Das Innenministerium verweist auf den „unverhältnismäßigen Aufwand“, Kritiker sprechen von einer gewollten Intransparenz.

Die FPÖ fordert seit Jahren, die Kriminalstatistik um eine Täter-Opfer-Auswertung nach Herkunft zu erweitern. Auch Sicherheitsexperten halten das für notwendig, um Prävention und Integration gezielter gestalten zu können. Der Aufwand wäre gering: Die Polizei erhebt die Daten ohnehin. Nur ausgewertet werden sie nicht.

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Während Deutschland mehr als eine Million Opfer durch Täter aus den wichtigsten Asylländern dokumentiert, weiß Österreich nicht einmal, ob es hunderttausend oder zehntausend sind. Der Staat, der sonst alles zählt, schaut hier weg – und das ausgerechnet dort, wo es um die Sicherheit seiner Bürger geht.