Sicherheitsgefühl: Neue ARD-Studie belegt sehr negative Entwicklung

Das nächste Ergebnis einer Umfrage, das ein klarer Auftrag an die Politik zum Handeln sein müsste: Das Sicherheitsgefühl in Deutschland verschlechtert sich deutlich.

Deutschland ist verunsichert: Der neue ARD-Deutschlandtrend zeigt, dass jeder zweite Bürger sich auf Straßen, Plätzen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr sicher fühlt - 2017 meinten das nur 25 Prozent, das Sicherheitsgefühl hat sich in acht Jahren dramatisch verschlechtert. Auffällig: Viele verbinden ihre Sorgen mit Migration und sozialer Instabilität, also mit Themen, die derzeit das politische Klima dominieren.

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Ausgelöst wurde die jüngste Sicherheitsdebatte durch Bundeskanzler Friedrich Merz. Mitte Oktober erklärte er, die Bundesregierung hole Versäumnisse früherer Migrationspolitik nach, doch „im Stadtbild“ gebe es weiterhin Probleme. Wenig später präzisierte Merz: Deutschland brauche Zuwanderung, doch Schwierigkeiten bereiteten jene, „die nicht arbeiten und sich nicht an Regeln halten“. Diese Worte lösten landesweit hitzige Diskussionen aus. Zwischen Zustimmung und Empörung spaltete sich die Öffentlichkeit – und das Thema Migration wurde erneut zum Brennpunkt.

Für 32 % der Deutschen ist die Zuwanderung das größte Problem

Laut Umfrage sehen 32 Prozent der Deutschen Migration als das drängendste politische Problem, noch vor der Wirtschaft (28 Prozent). Themen wie Armut, soziale Gerechtigkeit oder Klimaschutz folgen mit deutlichem Abstand.

Doch die gefühlte Unsicherheit weicht oft von der tatsächlichen Bedrohung ab. Nach Zahlen des Bundeskriminalamts ereignet sich die meiste Gewalt nicht auf der Straße, sondern in den eigenen vier Wänden. 2024 wurden mehr als 265.000 Fälle häuslicher Gewalt registriert – ein Rekord. Drei Viertel der Opfer sind Frauen, die Täter meist Partner oder Ex-Partner. 71 Prozent schwerer Sexualdelikte geschehen im privaten Bereich, nur jeder fünfte Fall im öffentlichen Raum.

Trotzdem wächst die Angst vor Kontrollverlust. Nur noch 38 Prozent der Befragten halten die außenpolitische Lage für stabil, 29 Prozent trauen der deutschen Wirtschaft langfristige Stärke zu. Auch das Vertrauen in gesellschaftliche Sicherheit ist geschrumpft – viele empfinden den Zustand des Landes als fragil. Zwar bewerten die meisten ihre persönliche Lage noch positiv, doch selbst hier bröckelt der Optimismus.

Politisch spiegelt sich diese Stimmung in einem massiven Vertrauensverlust wider. Nur 22 Prozent der Deutschen sind mit der Arbeit der Regierung zufrieden. 76 Prozent geben an, die Koalition aus CDU/CSU und SPD sei zu zerstritten, um echte Lösungen zu finden.

In Deutschland schwindet das Vertrauen in Sicherheit und Politik.

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36 Prozent der Frauen befürchten, Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden
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Für den aktuellen ARD-DeutschlandTrend befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap vom 3. bis 5. November 2025 insgesamt 1.300 Wahlberechtigte in Deutschland (775 Telefoninterviews und 525 Online-Interviews). Es handelt sich um eine repräsentative Studie unter den Wahlberechtigten in Deutschland.