Das Geschäft mit Panzern boomt: 28 Prozent Umsatzplus für Rheinmetall

Deutschlands größter Rüstungskonzern profitiert massiv von der Aufrüstung der Nato – und peilt mit neuen Aufträgen, Satellitenprojekten und Schiffsbau eine weitere Expansion an.

Credit: Getty Images

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Rheinmetall bleibt ein Gewinner des Ukrainekriegs. Der Düsseldorfer Konzern hat seinen Umsatz in den ersten neun Monaten 2025 um rund 20 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern kletterte auf 724 Millionen Euro – nach 613 Millionen im Vorjahr.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine erlebt die deutsche Rüstungsindustrie einen Boom, wie ihn das Land seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Rheinmetall liefert Panzer, Munition und künftig auch Kriegsschiffe an Nato-Staaten und die Bundeswehr. Mit der geplanten Übernahme der Marinesparte der Lürssen-Werft schließt das Unternehmen die letzte Lücke in seinem Waffenportfolio.

„Mit den Projekten, die wir in der Pipeline haben, werden wir künftig in allen wichtigen Bereichen ein relevanter Akteur sein – zu Lande, zu Wasser, in der Luft und auch im Weltraum“, erklärte Vorstandschef Armin Papperger.

Rekordauftragsbestand

Bis Ende September stieg der Auftragsbestand auf fast 64 Milliarden Euro – ein neuer Höchststand. Zum Jahresende könnten es rund 80 Milliarden werden, so Papperger. Inklusive der noch offenen Ausschreibungen erwartet der Konzern sogar bis zu 120 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026.

Das Potenzial verteilt sich laut Management auf drei Kernsparten:
– bis zu 5,5 Milliarden Euro in der Panzersparte,
– rund sechs Milliarden Euro in der Munitionssparte,
– etwa drei Milliarden Euro in Elektronik und Flugabwehr.

Neue Werke, mehr Mitarbeiter

Um die Flut an Bestellungen abzuarbeiten, baut Rheinmetall seine Kapazitäten massiv aus. Die Belegschaft wuchs seit Jahresbeginn von 27.000 auf 31.500 Mitarbeiter. Gleichzeitig investiert der Konzern in neue Werke und Vorräte – was die Marge leicht drückt.

Die operative Gewinnmarge sank von 9,8 auf 9,6 Prozent. Der freie Cashflow liegt mit minus 813 Millionen Euro im roten Bereich – eine Folge hoher Sachinvestitionen und Lageraufbauten.

Bundeswehr als Hauptkunde

Für Rheinmetall ist die Bundeswehr der wichtigste Auftraggeber. Der Anteil des deutschen Geschäfts am Gesamtumsatz stieg auf 34 Prozent. Vor allem in den Bereichen Flugabwehr, Panzer und Satellitenaufklärung stehen neue Großbestellungen bevor.

So plant die Bundesregierung laut Handelsblatt die Beschaffung von rund 600 Flugabwehrpanzern des Typs Skyranger im Wert von etwa neun Milliarden Euro. Hinzu kommen Bestellungen für den Radpanzer Boxer sowie ein milliardenschweres Satellitenprojekt: 40 Aufklärungssatelliten für rund zwei Milliarden Euro sollen schon bald in Auftrag gegeben werden – der erste Raumfahrtvertrag der Firmengeschichte.

Munition als Gewinnbringer

Am profitabelsten ist nach wie vor die Munitionssparte. Ihr Umsatz stieg auf über zwei Milliarden Euro, der operative Gewinn auf 371 Millionen Euro. Mit einer Marge von 18,4 Prozent ist sie die lukrativste Sparte des Konzerns. Getrieben wird das Geschäft durch die anhaltend hohe Nachfrage nach Artilleriemunition mit 155-Millimeter-Kaliber, die im Ukrainekrieg stark verbraucht wird. Rheinmetall baut daher neue Produktionsstätten in Litauen, Ungarn und Spanien.

Die Panzersparte, die knapp die Hälfte des Konzernumsatzes ausmacht, erzielte in den ersten neun Monaten 3,2 Milliarden Euro Umsatz. Der Gewinn stagnierte mit 306 Millionen Euro, die Marge sank auf 9,5 Prozent. Deutlich zulegen konnte dagegen die Elektronik- und Flugabwehrsparte mit einem Umsatzplus von über 40 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

Statement

Ziviles Geschäft vor dem Verkauf

Das klassische Autozuliefergeschäft spielt für Rheinmetall kaum noch eine Rolle. Bei 1,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete der Bereich nur 42 Millionen Euro Gewinn. Der Konzern plant daher, sich ganz oder teilweise davon zu trennen.

Gespräche mit Investoren laufen bereits – darunter laut Handelsblatt die Private-Equity-Gesellschaften One Equity und Mutares. Der Verkauf soll im ersten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Rheinmetall ist damit auf dem Weg, ein europäischer Vollanbieter für militärische Systeme zu werden – von der Panzerkette bis zum Satelliten. Der Krieg bleibt das beste Geschäft.