Wirtschaftskammer: Angestellte beim Gehalt ausgebremst, aber die Chefs greifen ungeniert zu

Wenn es nach den Gehältern der Kammer-Chefs geht, müsste Österreichs Wirtschaft im Augenblick brummen. Wie sonst ist die teilweise Verdoppelung der Funktionärsbezüge in der WKO zu verstehen?

Es sind Österreichs Unternehmen, die auch in wirtschaftlich prekären Zeiten mit ihrer Kammerumlage den Funktionärsapaarat um Wirtschaftskammer-Präsident Karl Mahrer finanzieren müssen. Die werden sich verwundert die Augen reiben, wenn sie schwarz auf weiß lesen, wie ungeniert sich die Kammer-Häuptlinge inzwischen die Taschen füllen - wie darüber auch die Krone berichtet.

Mahrer selbst kassiert demnach seit Juli um 2600 Euro mehr im Monat. Der Präsident bekommt somit zwölf Mal im Jahr 15.158 Euro. Seine acht Vizepräsidenten wollten bei dem Plus ebenfalls berücksichtigt werden. Wurden sie auch: Statt bisher 5970 Euro sind es jetzt 9393. Die Spartenobmänner cashen jetzt 5306 Euro statt der bis dato bescheidenen 3209 Euro.

Vor allem Niederösterreichs Wirtschaft muss es richtig gut gehen: WKO-Landesboss Wolfgang Ecker genehmigt sich nun im Vergleich zum Vorjahr 57.280 Euro mehr. Seine Funktionärsbezüge stiegen von monatlich 9302 Euro auf 14.076. Das Salär für die Vizepräsidenten verdoppelte sich sogar auf 7038 Euro.

Der Wiener Kammer-Chef Walter Ruck kassiert 14.076 Euro, obwohl er große Teile seiner Aufgaben auf gleich sechs (!) Stellvertreter abladen kann. Die bekommen zwischen 5630 und 7038 Euro. Landesweit haben sich die WKO-Bezüge der Chefs im vergangenen Jahr zwischen 15 Prozent (Vorarlberg) und 102 Prozent (NÖ) erhöht.

Da wäre es vermutlich nachvollziehbar gewesen, wenn jüngst auch die Gehälter der WKO-Angestellten zumindest moderat angehoben worden wären. Doch nach heftigen Diskussionen um angepeilte 4,2 Prozent Erhöhung zog Präsident Mahrer die Reißleine. Zumindest kosmetisch. Die Erhöhung wurde offiziell um ein halbes Jahr verschoben, stattdessen gibt es eine Anpassung von 2,1 Prozent, die sich gut verkaufen lässt, weil sie unterhalb der Inflationsrate liegt.

Die 4,2 Prozent gibt es dann doch noch für alle 5800 WKO-Mitarbeiter - aber erst ab kommenden Juli.

Ein cleverer Schachzug, der zeigt, dass die WKO-Bosse in Wahrheit jeden Cent wert sind - zumindest wenn es um ihr Funktionärsparadies geht.

Heftige Kritik kam inzwischen von Michael Bernhard, Bundessprecher der Unos ("Unternehmerisches Österreich") und Nationalratsabgeordneter der Neos im ORF: "Es braucht Lohnzurückhaltung bei den KV-Verhandlungen, beim öffentlichen Dienst, bei den Pensionen." In so einer Phase müsse auch die Wirtschaftskammer eine "Vorbildwirkung" an den Tag legen und bei den eigenen Gehältern maßhalten, kritisierte er. "Sie hat leider jedes Maß verloren."