TV-Techniker für ORF und ZDF: Er schwärmte schon elf Jahre für die Terrorgruppe Hamas

ORF und ZDF beauftragten die TV-Firma PMP für die Unterstützung ihrer Drehs in Gaza - jetzt wurde aufgedeckt, wie sehr ein PMP-Mitarbeiter schon seit 2014 für die Terrormörder der Hamas schwärmte.

Nach dem Tod eines Mitarbeiters der TV-Firma Palestine Media Production (PMP), die im Gazastreifen für den ORF und für das ZDF gearbeitet hat, kommen weitere Details über dessen mögliche Nähe zur Terrorgruppe Hamas ans Licht. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, soll der getötete Satellitentechniker Ahmed Abu Mutair bereits im Jahr 2014 offen Sympathien für die Hamas gezeigt haben – und danach über weitere elf Jahre hinweg. Die Mitarbeiter der deutschen und österreichischen Öffentlich Rechtlichen Sender vor Ort sollen davon nichts bemerkt haben.

Auf seinen Social-Media-Profilen habe Ahmed abu Mutair laut Spiegel-Recherchen mehrfach den Hashtag „#Ich_stehe_zur_Hamas“ verwendet und prominente Hamas-Führer sowie Propagandavideos der Qassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Terrororganisation, gelobt. Auch Familienangehörige des 37-jährigen Hamas-Fans sollen in Verbindung zu islamistischen Gruppen stehen.

Mutair arbeitete für die Produktionsfirma PMP in Gaza, die über Jahrzehnte hinweg regelmäßig für internationale Medien tätig war – darunter auch für das ZDF und auch den ORF. Erst nach dem israelischen Angriff auf den Firmensitz in Deir al-Balah am 19. Oktober, bei dem Mutair und der achtjährige Sohn eines Kollegen ums Leben kamen, wurde die Kooperation mit dem ZDF öffentlich hinterfragt. Israel hatte dem ZDF ein internes Mitgliedsformular der Qassam-Brigaden vorgelegt, das Mutairs Zugehörigkeit zur Hamas belegen soll. Geheimdienstexperten halten das Dokument aufgrund seiner Form, Terminologie und Symbolik für weitgehend authentisch.

Das ZDF beendete die Zusammenarbeit mit PMP inzwischen, der ORF hatte schon Monate zuvor die Auftragsvergabe gestoppt. Eine Sprecherin des ZDF erklärte, man nehme die Vorwürfe „sehr ernst“ und prüfe den Fall intern. Der deutsche Sender betonte, man habe keine Hinweise gehabt, dass Mitarbeiter der Firma Verbindungen zu militanten Gruppen unterhielten.

PMP-Chef Mahmoud Jaber zeigte sich von der Entscheidung „schockiert“. Gegenüber dem Spiegel sagte er, es sei unmöglich, alle 30 bis 35 Angestellten vollständig zu kontrollieren. Hätte es eindeutige Hinweise auf Mitgliedschaften bei militanten Gruppen gegeben, „hätten wir sie sofort nach Hause geschickt – allein, um uns vor israelischen Angriffen zu schützen“.

ORF: Bisher nur eine Stellungnahme zu dieser Causa

Politisch sorgt der Fall bereits für scharfe Kritik. Die medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Ottilie Klein, sprach von einem „Skandal, der das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tief erschüttert“. Sie forderte umfassende Aufklärung über mögliche Versäumnisse bei der Auswahl von Partnerfirmen in Krisenregionen.

Der Fall wirft unangenehme Fragen auf – sowohl für das ZDF als auch für den ORF. Er zeigt die schwierige Gratwanderung zwischen journalistischer Berichterstattung und Sicherheitsrisiken in einer Region, in der zivile und militante Strukturen oft kaum voneinander zu trennen sind.

Für das ZDF und auch den ORF steht nun viel auf dem Spiel: das Vertrauen der Öffentlichkeit – und der Nachweis, dass auch in Krisengebieten journalistische Integrität oberste Priorität behält.

ORF-Mitarbeiter Gaza
Der bei einem Luftangriff getötete TV-Techniker Ahmed Abu Mutair
Credit: Screenshot X