New Yorks neuer Bürgermeister: Wie viel Michael Ludwig steckt eigentlich in Zohran Mamdani?

Wien darf nicht Chicago werden. Aber kann New York City Wien werden? Bestenfalls heißt die Antwort: ja. Was die beiden Städte verbindet – warum sich hinter dem linken Ideal aber doch zwei sehr verschiedene Weltbilder verbergen.

Zohran Mamdani ist der neue Bürgermeister von New York City – und ein Mann, der polarisiert. Der 34-jährige Demokrat bezeichnet sich als „democratic socialist“, fordert Gratis-Busse, Mietendeckel und kommunale Supermärkte – und fiel zugleich mit israelfeindlichen und antisemitischen Äußerungen auf. Er unterstützte die BDS-Bewegung, warf Israel „Apartheid“ vor und forderte ein Ende der amerikanischen Militärhilfe.

Das Wichtigste vorweg: Michael Ludwig, Wiens sozialdemokratischer Bürgermeister, steht hier auf der entgegengesetzten Seite. Er gilt als verlässlicher Partner Israels, pflegt gute Kontakte zur jüdischen Gemeinde und hat sich mehrfach gegen jede Form des Antisemitismus positioniert. Doch jenseits dieser moralischen Klarheit verbindet ihn mit Mamdani weit mehr, als beiden selbst bewusst sein dürfte – eine Vorstellung von Stadtpolitik, die stark an Planwirtschaft erinnert.

Der Staat als Ersatz für Dynamik

Ludwig regiert eine Stadt, die sich selbst gern als sozialdemokratisches Musterprojekt versteht: 220.000 Gemeindewohnungen, 365-Euro-Jahreskarte, gebührenfreie Kindergärten und ein üppig ausgebautes Netz an Subventionen. Wien präsentiert sich als Gegenentwurf zur neoliberalen Metropole – aber es lebt längst über seine Verhältnisse. Die Schulden steigen, die Sozialausgaben explodieren, die Integration misslingt. In manchen Bezirken liegt der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund bereits über 60 Prozent; in Schulklassen dominiert Arabisch oder Türkisch. Trotz aller Umverteilungs-Rhetorik wächst die soziale Segregation.

Mamdani hat sich nun vorgenommen, dieses Modell über den Atlantik zu bringen. Er spricht von „Affordable Living“, doch seine Ideen sind die gleichen: mehr Regulierung, mehr öffentliche Eingriffe, weniger Markt. Was in Wien zu einem trägen Gleichgewicht führte, könnte in New York zum Risiko werden. Denn Mamdani regiert eine Stadt, in der Kapital, Eigentum und Leistung die eigentlichen Säulen des Erfolgs sind. Wer hier zu stark umverteilt, vertreibt nicht nur Investoren, sondern jene Mittelschicht, die das System trägt.

Gleiche Diagnose, unterschiedliches Fundament

Sowohl Ludwig als auch Mamdani definieren Politik über „Leistbarkeit“. Für beide ist die Stadt nicht primär ein Ort wirtschaftlicher Dynamik, sondern ein Schutzraum gegen Globalisierung und Preisdruck. Doch ihre Rezepte übersehen eine entscheidende Realität: Eine Stadt, die nur noch verteilt, verliert langfristig ihre Leistungsbereitschaft.
In Wien zeigen sich die Folgen bereits. Hohe Transferleistungen, geringe Erwerbsanreize und eine wachsende Zuwanderung aus ärmeren Regionen belasten das System. Der soziale Konsens bröckelt, wenn Neuankömmlinge vor Alteingesessenen gefördert werden. Ludwig reagiert darauf mit noch mehr Sozialprogrammen – eine Strategie, die kurzfristig Ruhe, aber keine Lösung bringt. Mamdani läuft Gefahr, denselben Fehler zu wiederholen. Schon in seinem Wahlkampf vermied er das Wort „Illegal Immigration“ – zu groß die Angst, linke Wähler vor den Kopf zu stoßen. Doch ohne klare Kontrolle über Zuzug und Anspruchsrechte wird jede Sozialpolitik zur Einladungspolitik.

Vom Ideal zur Realität

Beide Bürgermeister sehen sich als Anwälte der kleinen Leute, doch sie übersehen die Mechanik, die Städte wirklich stark macht: Eigentum, Verantwortung, Leistung. In Wien hat die jahrzehntelange Subventionierung ein Bewusstsein geschaffen, in dem der Staat als ständige Rettungsinstanz gilt. Mamdani will diese Haltung exportieren – in eine Stadt, die bisher von Wettbewerb, Kreativität und Zuwanderung der Leistungswilligen lebte.
Das klingt moralisch ansprechend, ökonomisch aber brandgefährlich. Denn wer Wohlstand sichern will, darf ihn nicht in bürokratischer Gleichmacherei ersticken.

Wohlstand verteilen, statt erwirtschaften

Wien darf nicht Chicago werden – aber kann New York City Wien werden? Beide Städte kämpfen mit denselben Fragen: Wie lässt sich soziale Stabilität bewahren, ohne wirtschaftliche Dynamik zu zerstören? Ludwig hat darauf eine technokratische Antwort gefunden, Mamdani eine ideologische. Doch beide eint der Glaube, dass man Wohlstand eher verteilen soll, als ihn zu schaffen.
In Wien funktioniert das Modell – noch. In New York könnte es an denselben Kräften scheitern, die es groß gemacht haben: Ehrgeiz, Eigenverantwortung und ein klarer Unterschied zwischen Leistung und Anspruch. Wer diesen Unterschied verwischt, verliert am Ende beides – Wohlstand und Freiheit.