Der Ryanair-Skandal: Ist Österreichs Kanzler wirklich "faul"?

Der Boss der Billig-Airline Ryanair (26.000 Mitarbeiter, 13,9 Milliarden Euro Jahresumsatz) kritisierte scharf Österreichs Kanzler Christian Stocker - seine Vorwürfe werden im Web emotional diskutiert.

Christian Stocker (ÖVP); Foto: Rusmin Radic/Anadolu via Getty Images

Christian Stocker (ÖVP); Foto: Rusmin Radic/Anadolu via Getty Images

Ein Krankenstand kurz nach der Regierungsbildung, Zypern-Urlaub nach den Parlamentsferien, keine großen Ideen gegen Arbeitslosigkeit und Teuerung, Homeoffice nach seinem jüngsten Spitalsaufenthalt - und kein Engagement für eine Einigung mit einem Milliardenunternehmen: Österreichs Kanzler Christian Stocker (ÖVP) wird auf den Social-Media-Plattformen nach Auffliegen der Ryanair-Causa heftig kritisiert.

Für noch mehr Stoff in der Debatte über Stockers Arbeitsweise sorgt nun bekanntlich Ryanair-Chef Michael O’Leary. In einem Interview mit der Presse erhebt der irische Airline-Manager schwere Vorwürfe gegen Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ). Beide, so O’Leary, würden zentrale Zusagen gegenüber Ryanair nicht einhalten – und Österreich damit um wirtschaftliches Wachstum bringen.

Konkret geht es um die hohen Gebühren am Flughafen Wien und um die umstrittene Flugabgabe, die nach Ansicht von O’Leary die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs massiv beeinträchtigt. Die Gebühren in Wien seien „die dritthöchsten in Europa“, meinte O'Leary. Ryanair habe der Regierung bereits konkrete Pläne für eine milliardenschwere Investition vorgelegt: „Wir wollen in den kommenden fünf Jahren auf zwölf Millionen Passagiere pro Jahr wachsen und bis 2030 zehn neue Boeing 737 in Wien stationieren. Diese Flugzeuge sind bestellt. Das sind keine Fantasiezahlen.“

Ryanair-Boss sauer: "Keine Antwort erhalten"

Doch anstatt Unterstützung für die Mega-Airline mit 13,9 Milliarden Euro Jahresumsatz gab's aus dem Bundeskanzleramt nur Schweigen. „Ich habe Herrn Stocker unseren Wachstumsplan präsentiert, und er sagte, wir würden bis Ende September eine Antwort erhalten. Der September ist vorbei, und wir haben keine Antwort.“ Besonders empört zeigte sich O’Leary über Verkehrsminister Hanke: „Wir haben Gespräche geführt, und er macht sich nicht die Mühe, zu antworten. Wir haben ihn in unserer Pressemitteilung als Lügner bezeichnet – was er eindeutig ist.“

Die Wortwahl ist selbst für O’Leary knallhart, er beschuldigt Stocker, Österreich wirtschaftlich zu lähmen: „Die Slowakei hat die Luftverkehrssteuer abgeschafft, fünf Regionen in Italien planen das Gleiche. Unterdessen sitzt Bundeskanzler Stocker untätig herum. Österreich hat einen faulen Bundeskanzler, der nicht für Wachstum sorgen kann. Das ist nutzlos.“

Mehr als 100 Jobs fallen jetzt in Wien weg

Der Ryanair-Chef droht nun offen mit Konsequenzen: Anstatt den Standort Wien weiter auszubauen, könne es zu einem weiteren Rückzug kommen. „Wir werden keine zusätzlichen Maschinen mehr stationieren. Im Gegenteil – wir prüfen, ob wir weitere Flugzeuge abziehen.“ 100 Mitarbeiter sollen bereits das Angebot erhalten haben, an andere Basen in Europa zu wechseln.

Im Hintergrund steht ein tieferes Problem: Der Luftverkehr in Österreich stagniert. Während Länder wie Polen, Italien oder Spanien neue Wachstumsimpulse setzen, klagen Airlines hierzulande über steigende Kosten und fehlende politische Unterstützung. O’Leary nutzt das Momentum, um den Druck zu erhöhen – nicht nur auf die Regierung, sondern auch auf den Flughafen Wien, dessen Gebührenstruktur er als „wachstumsfeindlich“ bezeichnet.

Das Kanzleramt reagierte bisher nicht auf die jüngsten Aussagen des Iren. In Regierungskreisen heißt es lediglich, man wolle sich „nicht auf das Niveau persönlicher Beleidigungen begeben“. Doch O’Learys Frontalangriff trifft einen wunden Punkt: Österreichs Luftfahrtpolitik steht seit Monaten in der Kritik – und der Ton in der Auseinandersetzung wird immer schärfer.

Ob der „faule Kanzler“, wie O’Leary ihn nennt, nun doch noch reagieren wird?

Ryanair Chief Executive Michael O'Leary Credit: REUTERS/Clodagh Kilcoyne