Die neuesten Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank malen ein ernüchterndes Bild: In Europa zählen mit Österreich und Deutschland gleich zwei ehemals verlässliche Wachstumspfeiler zu den Schwächsten bei der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts – Länder in massiven Konflikten oder Krisen wie der Jemen oder Sudan sind in den offiziellen Tabellen fast ebenso schlecht. Die konventionelle Vorstellung, dass nur fragile Staaten in der Wachstumsstatistik schlecht dastehen, stimmt nicht mehr vollständig; strukturelle Schwächen in Industriestaaten zeigen sich in der Zahlenreihe frappierend deutlich.
Laut den IWF-Daten für 2025 liegt das reale BIP-Wachstum Österreichs im negativen Bereich (- 0,26 %), Deutschland kommt nur auf - 0,05 %. Diese Werte stehen deutlich unter dem Durchschnitt der fortgeschrittenen Volkswirtschaften und weit hinter den Wachstumsraten vieler Schwellenländer zurück. Der Weltbank zufolge bleibt die Gesamtlage 2025 angespannt: Globale Expansion wird nur moderat erwartet, geopolitische Verwerfungen und Handelshemmnisse dämpfen Investitionen und Außenhandel und drücken das Potenzialwachstum in Europa weiter nach unten.
Warum sind die Zahlen für Österreich und Deutschland so schwach? Die wichtigsten Gründe: Die Entwicklung der Demografie, massive Kosten der Massenzuwanderung, Investitionsstau, Energie- und Kostenbelastungen sowie fehlende Reformimpulse drücken die Dynamik. Österreichs Industrie sieht sich hohen Produktionskosten und einer verhaltenen Binnenkonjunktur gegenüber; Deutschland kämpft mit Strukturproblemen im verarbeitenden Gewerbe, einem schwachen Exportumfeld und zögerlichen Produktivitätszuwächsen. Beide Länder leiden zudem unter einem Investitionsklima, das angesichts politischer Unsicherheiten und regulatorischer Hürden zu langsam reagiert.
Die Folgen sind weitreichend: Niedriges Wachstum bedeutet geringere Spielräume für Sozialpolitik, weniger Steigerung der staatlichen Einnahmen und eingeschränkte Investitionskraft in Zukunftsfelder wie Klima, Digitalisierung und Infrastruktur. Ökonomen fordern mehr Innovationsförderung, gezielte Steuer- und Arbeitsmarktanreize sowie eine stärkere Öffnung für qualifizierte Zuwanderung, um kurzfristig das Arbeitskräfteangebot und mittelfristig die Produktivität zu stärken.
Botswana nur 0,10 Prozentpunkte schlechter als Österreich
Zur Einordnung: In einer Rangliste mit etwa 200 Nationen nach erwarteter realer BIP-Wachstumsrate für 2025 stehen an der globalen Spitze meist rohstoffreiche oder schnell wachsende Schwellenländer; am Ende der Tabelle finden sich Länder mit Konflikten, schweren Krisen oder extremem wirtschaftlichem Gegenwind – und eben auch einige Industriestaaten mit konjunktureller Schwäche. Hier eine Darstellung der Schlusslichter (negativste oder sehr geringe Wachstumsraten) als Ausschnitt:
Schlusslichter (Auswahl 2025 - reale BIP-Veränderung, ungefähre Werte)
- Süd-Sudan: − 4,3 %
- Äquatorialguinea: − 4,2 %
- Venezuela: − 4,0 %
- Irak: − 1,5 %
- Jemen: − 1,5 %
- Haiti: − 1,0 %
- Puerto Rico: − 0,8 %
- Sudan: − 0,38 %
- Botswana: − 0,36 %
- Österreich: − 0,26 % (nahe Null)
- Mexiko: − 0,26 %
- Deutschland: − 0,05 bis +0,2 % (sehr gering)
(die Reihenfolge und Werte variieren leicht zwischen IWF- und Weltbank-Prognosen.)
Diese Daten zeigen: Österreich und Deutschland befinden sich in einer prekären Lage - nicht wegen fehlender Ressourcen, sondern wegen eines mangelhaften produktiven und investiven Impulses. Die politische Herausforderung ist klar: Die Wirtschaftspolitik muss jetzt handeln, um Innovationskraft, Standortattraktivität und Investitionsdynamik zu erhöhen, sonst droht ein dauerhaftes Verharren im unteren Wachstumsbereich. Ein Alarmsignal: Österreich schneidet bereits fast so schlecht ab wie Botswana im Süden Afrikas, ein Land mit nur 2,6 Millionen Einwohnern.
Die oben genannten Wachstumswerte beruhen auf den jüngsten veröffentlichten Prognosen von IWF und Weltbank für 2025; geringfügige Abweichungen zwischen Quellen sind möglich.