Nach aufgedecktem Gehalts-Skandal: Krisengipfel der Wirtschaftskammer

Krisenstimmung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO): Nach der massiven Kritik an der Kommunikation und den Gehaltserhöhungen steht Präsident Harald Mahrer zunehmend unter Druck.

In Wien wurden die Top-Funktionäre der Wirtschaftskammer am heutigen Sonntag zu einem Krisentreffen befohlen, an dem nahezu alle Landespräsidenten teilnehmen sollten. Das Ziel: Schadensbegrenzung und Wiederherstellung des Vertrauens – ein ziemlich schwieriges Unterfangen nach einer Woche voller Negativschlagzeilen.

Die Aufregung um eine umstrittene Gehaltserhöhung für die WKO-Beschäftigten ist ein Grund für die Notfallmaßnahme: Um 4,2 Prozent sollten die Gagen steigen, das ist deutlich über der aktuellen Inflationsrate. Eine Entscheidung, die bei Mitgliedern, Funktionären und in der Öffentlichkeit auf Unverständnis stieß. Besonders empört zeigte sich Tirols WK-Präsidentin Barbara Thaler: „Das ist ein einziges Desaster, ein großer Fehler, und es hat viel Vertrauen gekostet.“ Zwar habe sie „mit den Zahlen selbst kein Problem“, die Art der Kommunikation jedoch sei „katastrophal“ gewesen. „Das hat nicht nur Mitarbeitern, sondern auch Funktionären geschadet“, so Thaler, die betonte, sie sei „persönlich erschüttert“. Ob Mahrer noch tragbar sei, wollte sie nicht beantworten: „Jetzt geht es darum, den Reputationsschaden zu reparieren – das wird harte Arbeit.“

Auch die oberösterreichische Kammerpräsidentin Doris Hummer sprach in den Oberösterreichischen Nachrichten von einer „dilettantischen Kommunikation“ und einer „völlig unglücklichen Aktion“. Zwar sei das Gehaltssystem an sich fair, doch in einer Phase, in der „alle sparen müssen, unbeirrt an einer Erhöhung festzuhalten“, sei ein Fehler gewesen.

Mahrer selbst versuchte in den vergangenen Tagen, die Wogen zu glätten. Er räumte ein, dass „Fehler passiert“ seien, und zeigte Verständnis für die Kritik. Dennoch hält er am System der Gehaltsanpassung fest – und lehnt sowohl seinen Rücktritt als auch eine Senkung der Kammerumlage ab. Im kommenden Jahr soll es keine Erhöhung für Spitzenfunktionäre geben, so Mahrer.

Besonders für Unmut sorgt jedoch die Verwirrung um die tatsächliche Höhe der Erhöhungen: Zunächst sprach Mahrer von einer Halbierung des Plus auf 2,1 Prozent. Tatsächlich bleibt es im ersten Halbjahr 2025 bei null, im zweiten jedoch bei 4,2 Prozent – was für das Folgejahr einen deutlich höheren Ausgangswert bedeutet.

342.000 Euro Jahresgage für Mahrer - 28.500 Euro im Monat

Zudem gerät auch Mahrers persönliches Einkommen ins Scheinwerferlicht. Der WKO-Präsident verdient laut eigener Aussage 342.000 Euro brutto im Jahr – verteilt auf seine drei Spitzenfunktionen als Wirtschaftskammer-Präsident, Präsident des Wirtschaftsbundes und Präsident des Generalrates der Österreichischen Nationalbank (OeNB). „Ja, das ist viel Geld“, sagte Mahrer in der Presse. „Aber es ist auch sehr viel Verantwortung und Haftung.“ Damit liegt sein Einkommen sogar über dem des Bundeskanzlers Christian Stocker (334.000 Euro) – und knapp unter jenem von Bundespräsident Alexander Van der Bellen (374.000 Euro).

Für zusätzliche Irritation sorgte, dass Mahrer während seiner ersten Amtsperiode im OeNB-Generalrat noch auf das dortige Gehalt von 88.000 Euro verzichtet hatte – seit 2023 lässt er sich dieses wieder auszahlen. „Ich gebe zu, dass ich diese Aufgabe 2018 nicht so arbeitsintensiv eingeschätzt habe“, ist seine Erklärung dazu.

Wie lange Mahrer die volle Unterstützung der Kammer-Funktionäre behält, ist unklar. Doch eines ist sicher: Der Vertrauensschaden ist erheblich.