Wie von Statement berichtet, erschoss der mutmaßliche Mörder vergangenen Donnerstag in einem Lokal nahe dem Yppenplatz einen Tschetschenen (33) und verletzte einen Serben (55). Im Hintergrund steht wohl ein "Kredit" an einen Taxiunternehmer, der nicht rechtzeitig zurückbezahlt wurde. Ein Zusammenhang mit organisierter Kriminalität wird noch untersucht.
Der bewaffnete Todesschütze ist auf der Flucht. Möglicherweise hat er sich ins Ausland abgesetzt, möglicherweise läuft er auch nach wie vor frei in Wien herum. Die Polizei weiß, um wen es sich handelt, sie könnte jederzeit die Bevölkerung mit Fotofahndungen vor dem mutmaßlichen Mörder warnen - immerhin ist klar, dass diese Person auch vor keiner Bluttat zurückschreckt.
Die Polizei verzichtet darauf - wie so häufig in Wien, wo auffallend oft verspätet öffentlich gefahndet wird. Stattdessen Allgemeinplätze des Polizeisprechers: "Die Ermittler sind Spezialisten. Das heißt, die wissen ganz genau, wann sie welche Ermittlungsschritte setzen. Dementsprechend kann es natürlich auch noch zu einer Öffentlichkeitsfahndung kommen. Derzeit laufen aber umfangreiche andere Ermittlungen", lässt er sich im ORF zitieren.
Kein Fahndungsbild zur Warnung der Bevölkerung in Wien
Beruhigend klingt das nicht, seit Tagen läuft ein bewaffneter Mörder unbehelligt frei herum. Der zuständige Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) - ansonsten bei jeder kleinsten Erfolgsmeldung mit größtem Mitteilungsbedürfnis auf Sendung - ignoriert den Vorgang.
Der Verdacht: Die Ermittler und ihr oberster Chef könnten einmal mehr auf "Fahndung Österreich" warten. Ein Format des privaten Fernsehsenders "servus TV", mit dem das Innenministerium eine exklusive Kooperation vereinbart hat und auf seiner Homepage auch publikumswirksam wirbt. Es wäre nicht das erste Mal, das Fotos aus den Ermittlungsakten zunächst beim Salzburger Sender landen.
Zwei Komplizen des Mörders von Ottakring befinden sich inzwischen in U-Haft. Sie wurden nicht ermittelt, sie stellten sich jeweils freiwillig der Polizei. "Bei den Vernehmungen der zwei Begleiter des Schützen wurden keine weiteren Hinweise zum Schützen selbst und zum derzeitigen Aufenthaltsort gegeben. Daher bleiben die umfangreichen Fahndungsmaßnahmen aufrecht", sagte der Polizeisprecher.
Warum hierzu in Wien nicht das bewährte Mittel der Öffentlichkeitsfahndung gehört, bleibt sein Geheimnis.
