Bei nur knapp 30 Medienmitarbeitern kann es ja auch passieren, dass nicht wirklich die hellste Kerze auf der Torte den ungeliebten Freitagnachmittag-Dienst übernehmen und eben irgendwie noch mit dem Chef produktiv sein muss: Der Flipper "Bram Stoker's Dracula" (5900 Euro teuer, in Deutschland ohne Versandkosten zu bestellen) darf im Büro von Vizekanzler Andreas Babler für das als Arbeitsnachweis nötige Instagram-Bild eine wichtige Nebenrolle übernehmen, der SPÖ-Chef posiert dazu vor dem pseudo-coolen Bild des SPÖ-Chefs.
Das Foto bekommt aufgrund der Scharfsinnigkeit des Parteivorsitzenden dann auch einen kurzen Text, der gleich klarstellt, dass der Genosse nicht immer seine Zeit vor dem Dracula-Flipper verbringt: "Nach einigen intensiven Tagen und Nächten mit vielen wichtigen Verhandlungen einmal eine kurze Auszeit am Flipper in meinem Büro in der SPÖ", lässt dazu Babler verfassen und veröffentlichen.
Die Analyse der Insta-Wortwahl macht dann doch etwas schwieriger, dieses Monument der tiefroten Social-Media-Arbeit zu verteidigen: Warum waren nur "einige" Tage "intensiv"? Die anderen waren Spiel, Spaß und Heuriger? Und warum waren nur "viele" Verhandlungen wichtig? Die anderen waren eh wurst, also somit Blunze, mit irgendwelchen unbedeutenden Sub-Genossen? Wie hoch war der prozentuelle Anteil der "wichtigen" Verhandlungen? 80 oder nur 60 Prozent? Und der Rest war vertrödelte Zeit?
In der freien Web-Wildbahn, also auf X, wo die bei den inseratengestopften Mainstream-Medien erwartete Selbstzensur nicht funktioniert, finden sich durchaus Kritiker dieser Instagram-Inszenierung. Sicher sind das Blaue. Oder noch schlimmer: Ex-SPÖler, die jetzt Blau wählen. Alles nur Neider, sinniert dazu wohl der Bundesparteivorsitzende und gibt sich die nächste Kugel am Bram-Stoker's-Dracula-Flipper.
Stocker einmal im Büro, dann wieder Homeoffice
Von Stoker zu Stocker: In dramatischer Selbstkasteiung, ja keine guten Ideen zur Bekämpfung der akuten Wirtschaftskrise und zur Eindämmung der Teuerung und der steigenden Arbeitslosigkeit zu finden, blieb dem Bundeskanzler etwas Zeit zum Dreh eines Selfie-Videos. Auch diese Social-Media-Aktion des ÖVP-Chefs möchte statement.at wirklich nicht schlecht machen, aber: Irgendwie haben da die Spin-Doktoren und SM-Mitarbeiter des Wiener Neustädter Churchills ein bisserl gepfuscht, ja sogar Fakenews verbreitet.

So sitzt der Regierungschef beim Dreh seines Durchhalte-Videos ziemlich eindeutig vor der dunklen Holzvertäfelung seines Kanzler-Büros am Ballhausplatz. Nur einen Tag später ist aber Christian Stocker per Video-Schalte aus dem "Homeoffice" beim Ministerrat dabei. Bei einer der beiden Instagram-Aktionen wurde auf alle Fälle geflunkert: Entweder war Stocker beim Dreh seines Selfie-Videos gar nicht im Kanzleramt, oder die Video-Konferenzschalte war nur Show.
Während fast alle Medien diese stockersche Seltsamkeit irgendwie übersehen wollten, meinte ein nicht ganz so blöder User auf X: "Wer schon bei derartigen Petitessen die Unwahrheit lebt - wie heftig werden wir sonst noch angelogen?"
Die Parteichefs der Koalitionsparteien sind eben auch nur Menschen. Die Frage ist nur, ob man diese Menschen künftig noch einmal wählen möchte.
Parmenion


Credit: Screenshot X