Konfusion: In der Wirtschaftskammer kocht jetzt jeder sein eigenes Süppchen

Die Wirtschaftskammer wünscht sich einen neuen Chef: parteipolitisch ungebunden, unter 50, vom Fach. Gibt es in der WKO nicht. Die Suche erweist sich als Quadratur des Kreises, in der Ständevertretung herrscht Konfusion.

Es darf getrost als Scherbenhaufen bezeichnet werden, was der ÖVP-Mann Harald Mahrer nach seiner Inthronisation durch Altkanzler Sebastian Kurz an der Spitze der WKO hinterlassen hat. Für den inzwischen zurückgetretenen Präsidenten zeichnet sich nicht einmal ein Nachfolger ab. Martha Schulz aus Tirol, die interimistisch in die Presche sprang, hat bereits abgewunken. Die 62-jährige Seilbahnunternehmerin, die viele für prädestiniert halten, wird wissen, warum.

Während sich aus der unüberschaubaren Vielzahl aus Präsidenten und Vizepräsidenten der neun Landeskammern kein einziger der Berufspolitiker als Oberboss aufdrängt, erwarten die zwangsangeschlossenen Unternehmer eine Totalreform ihrer Kammer. Stattdessen aber proben die einzelnen Kammern den Alleingang, Salzburg prescht vor. Der dortige Kammerpräsident und Wirtschaftsbundchef Peter Buchmüller will durch Reformen drei Millionen Euro einsparen und damit die Senkung der Kammerumlage 2 für seine Mitgliedsbetriebe von 0,36 auf 0,2 Prozent schaffen. Ob dies die aufgebrachte Unternehmerschaft beruhigen könnte und ob die WKO insgesamt mitzieht, ist offen.

Die Tiroler Kammerchefin Barbara Thaler geht einen anderen Weg. Sie nahm ihre eigene Gehaltsanpassung von 6400 auf 10.400 Euro zurück. Wie alle anderen Spitzenfunktionäre der WKO war Thalers Salär zuletzt kräftig angehoben worden, manche erhielten ein Plus von 60 Prozent - Statement berichtete. (https://statement.at/1073343/wirtschaftskammer-angestellte-beim-gehalt-ausgebremst-aber-die-chefs-greifen-ungeniert-zu)

Gleichzeitig fordert sie eine tatsächliche Halbierung des Lohnzuwachses bei allen anderen WKO-Beschäftigten. Statt der gemauschelten 4,2 Prozent zum nächsten Sommer sollen es tatsächlich nur 2,1 Prozent werden. Die "Managementebene" soll 2026 leer ausgehen.

Ob diese Maßnahmen etwas am grundsätzlichen Problem der WKO ändern, muss sich zeigen. Vielen Unternehmen gilt die Kammer als nicht mehr zeitgemäß. Sie werde den Anforderungen einer modernen, dynamischen Wirtschaft häufig nicht gerecht. Mit ihrer Wiener Zentrale und den neun Länderkammern sei sie zu bürokratisch und letztendlich in der Entscheidungsfindung zu langsam.

Wer will solch eine Institution schon übernehmen? Wenn er parteipolitisch ungebunden, unter 50 und vor allem vom Fach ist?