Unternehmen von Staatsminister Weimer verkauft Dinner mit "Einfluss auf Politiker"

Neue Unterlagen zum Ludwig-Erhard-Gipfel zeigen, wie Unternehmen für hohe Summen Zugang zu Ministern und exklusiven Gesprächsrunden erhalten. Im Zentrum steht die Weimer Media Group – und die Frage nach politischer Nähe.

Wolfram Weimer. Foto: REUTERS/Annegret Hilse

Wolfram Weimer. Foto: REUTERS/Annegret Hilse

Die Weimer Media Group hat beim Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee hochpreisige Abendessen mit Mitgliedern der Bundesregierung, vertrauliche Gesprächsrunden und priorisierten Zugang zu politischen Entscheidungsträgern verkauft. Recherchen, die Apollo News vorliegen, zeigen, dass die Erlöse weiterhin an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fließen, der trotz seines Regierungsamtes hälftig am Unternehmen beteiligt bleibt. Die Veranstaltung, die seit Jahren als exklusives Wirtschafts- und Politikforum gilt, rückt damit in den Mittelpunkt einer breiter geführten Debatte über Nähe, Einfluss und wirtschaftliche Interessen an der Schnittstelle von Medien und Politik.

Die Unterlagen, auf die sich Apollo News stützt, beschreiben eine klare Angebotsstruktur: Unternehmen können Pakete zwischen 40.000 und 80.000 Euro buchen, die neben Werbeflächen, prominenten Bühnenplätzen und Panelteilnahmen auch Zugang zu der sogenannten „Executive Night“ bieten – einem geschlossenen Abendessen, an dem Regierungsmitglieder angekündigt sind. Für den Gipfel im April 2026 werden unter anderem Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, Landwirtschaftsminister Alois Rainer, Forschungsministerin Dorothee Bär und Kanzleramtsminister Thorsten Frei erwartet. In Verkaufsgesprächen wurde darüber hinaus in Aussicht gestellt, dass auch Bundeskanzler Friedrich Merz teilnehmen könnte.

Exklusive Zugänge als Geschäftsmodell

Die Preisstruktur der Weimer Media Group folgt einem bewusst exklusiven Ansatz. Das Paket „Zugspitze“ umfasst Konferenztickets und Platzierungen in den hauseigenen Wirtschaftsmedien. Die höherpreisigen Varianten „Matterhorn“ und „Mont Blanc“ erweitern dies um persönliche Gesprächsmöglichkeiten, große Unternehmensauftritte im Konferenzzentrum sowie die Möglichkeit vertraulicher Treffen in abgesonderten Loungebereichen. Entscheidend ist der Umstand, dass diese Leistungen ausdrücklich mit „Einfluss auf politische Entscheidungsträger“ beworben werden – ein Alleinstellungsmerkmal, das dem wirtschaftlichen Kernmodell des Verlags besondere Brisanz verleiht.

Problematisch ist die fortbestehende Beteiligung Wolfram Weimers. Obwohl die Weimer Media Group vor seinem Amtsantritt erklärte, er scheide „mit sofortiger Wirkung“ aus, bestätigt ein aktueller Handelsregisterauszug, dass er weiterhin zu fünfzig Prozent Eigentümer ist. Gewinne aus den politisch sensiblen Netzwerkveranstaltungen fließen somit direkt an einen amtierenden Staatsminister. Die Bundesregierung hat diesen Aspekt in der bisherigen Kommunikation nicht ausgeführt. Weimer selbst antwortete auf Anfragen bislang nicht.