Das hat den Funktionären der neun Wirtschaftskammern gerade noch gefehlt. Nach den Affären um die Gagen-Erhöhungen und den inzwischen zurückgetretenen WKO-Chef Harald Mahrer ploppen jetzt in der WK-Steiermark Vorgänge auf, die vor drei Jahren noch weitgehend unter der Decke gehalten werden konnten, aber jetzt im Zuge der jüngsten Entwicklungen neue Relevanz erhalten.
Es geht um den gerade erst wiedergewählten steirischen Kammerpräsidenten Josef Herk. Er gehört zu den Gagen-Königen, die sich eine üppige Gehaltserhöhung vergönnten, während die Belegschaft mit ihren Forderungen eingebremst wurde - Statement berichtete: Herk verdient aktuell 10.827,55 Euro im Monat. Bis zum vergangenen Sommer waren es noch 6976 - eine Steigerung um stattliche 55,2 Prozent. (https://statement.at/1073343/wirtschaftskammer-angestellte-beim-gehalt-ausgebremst-aber-die-chefs-greifen-ungeniert-zu)
Vor drei Jahren fiel der Kammer-Boss schon einmal unangenehm auf. Damals enthüllte die Kleine Zeitung, dass sich der Funktionär heimlich noch einen Zusatzverdienst genehmigt hatte. Als Obmann des Wirtschaftsbundes kassierte er nochmal 4000 Euro monatlich extra. Ein Novum, denn bislang war die Tätigkeit beim Wirtschaftsbund ehrenamtlich gewesen.
Herk geriet unter Druck, verzichtete schließlich auf das Zusatzeinkommen. Fast zeitgleich geriet ein Vorgang ans Licht, der für Empörung sorgte. Eigenmächtig bewilligte Herks Präsidium Corona-Sonderhilfen an politische Wirtschaftsverbände: 201.053,46 Euro.
Der Präsident gelobte Besserung, versprach künftig absolute Transparenz - und überlebte die politischen Unruhen. Doch jetzt holen sie ihn wieder ein. Angesichts der aktuellen Vorgänge und die Gagen-Erhöhung des Präsidenten, schaltete sein früherer Wirtschaftsbund-Kollege Hermann Talowski die Staatsanwaltschaft ein: "So geht man einfach nicht mit Kammergeldern um", sagte er der Kleinen Zeitung.
Talowski war jahrelanger Sparten-Obmann in der Wirtschaftskammer, galt schon immer als Kritiker von Präsident Herk und bekam schließlich die Quittung. Beim Wirtschaftsbund wurde er ausgebootet, lief zu den Unos (Neos) über. Als späte Rache will er seine aktuellen juristischen Schritte gegen Herk jedoch nicht verstanden wissen.